Dienstag, 1. Oktober 2013

Das Adjektiv. Das unbekannte Wesen.




Die Personalvermittlung Dr. Str. und Partner sucht  für ein Unternehmen eine Fachkraft  für Mode PR. In der Anzeige lesen die Arbeitswilligen:
"Du blickst erfolgreich auf ein Studium der Kommunikationswissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing oder einen vergleichbaren Studiengang zurück"

An dieser Stelle mag man Dr. Str. und seinen Partnern(m/w) zurufen:  Auch wenn Sie es nicht für möglich halten. Es gibt einen Unterschied zwischen Adverb und Adjektiv!  In obigem Zitat ist "erfolgreich"  das Adverb und beschreibt somit wie ich etwas tue. Ich blicke zurück und zwar erfolgreich. Das ist leicht getan. Denn allein die Tatsache, dass ich zurückblicken kann, macht die Tätigkeit des Zurückblickens bereits erfolgreich. Der Erfolg hat sich eingestellt, indem ich blicke. Nun sagt die Art und Weise des Blickens überhaupt und gar nichts über die Qualität dessen aus, was in den  Blick gerückt wird. Theoretisch könnte ich auch auf eine Ansammlung von Katastrophen, die mit Ach und Krach dann noch zu einem Abschluss des Studiums  führten, zurückblicken. Das scheinen Dr. Str. und seine Partner wohl kaum sagen wollen.  Sie wollten wohl das "erfolgreich" in Zusammenhang mit "Studium" sehen.  Tusch für das Adjektiv.  Dann hätten Dr. Str. & Partner allerdings schreiben müssen:  "Du blickst auf ein erfolgreiches Studium zurück." Der Arbeitswillige hofft, dass der Unterschied zwischen Adverb und Adjektiv nun einigermaßen klar geworden ist.
Und dann gibt es in der Anzeige einen weiteren Punkt, an dem der Sinn sich enttäuscht anderen Beschäftigungen zuwendet. Es heißt:

"Die besondere Arbeitsatmosphäre sowie ein sehr gutes Gehalt werden Dich überzeugen".

Das ist ja schon mal prima. Wer lässt sich nicht gerne von einem guten Gehalt überzeugen. Dass das Unternehmen ein gutes Gehalt  zahlt, steht  außer Zweifel. Zudem werden die Arbeitswilligen durchgehend geduzt. Das ist  wohl die besondere Arbeitsatmosphäre . Weiter im Text.

 "Dann sende bitte Deine vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Angabe Deiner Verfügbarkeit und Deiner finanziellen Vorstellungen an uns als beauftragte Personalberatung per E-Mail..."

Jetzt fragt sich natürlich der Arbeitswillige, warum man seine Gehaltsvorstellungen noch nennen sollte, weil das Gehalt ja bereits sehr gut ist. Sollte man schreiben: Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einem sehr guten Gehalt bin ich einverstanden. Weniger sollte es aber nicht sein. Auch nicht als Jahresgehalt. 
Aber Vorsicht scheint geboten. Das sind nämlich alles Füchse bei Dr.Str. & Partnern. (m/w). Obwohl sie  Adjektive und Adverbien verwechseln.  Die Gehaltsfrage ist ziemlich entscheidend.  Sagt der Arbeitswillige etwa, er wolle 20K p.a., dann verkündete er damit, dass er so etwas für ein sehr gutes Gehalt hielte. Schlimmstenfalls würden seine potenziellen Duzbrüder und - schwestern den Kopf schütteln und sagen.  Was für ein Volltoni? Der/die hat ja Nullahnung. Oder man gibt 200K an. Dann sagen sie auch: Was für ein  Megahorst. Der hat ja keine Ahnung.  Merke:  Was Arbeitswillige für ein gutes ( schon wieder ein Adjektiv) halten, muss nicht mit der Definition von "gut" seitens des potenziellen Arbeitgebers übereinstimmen. 

Mittwoch, 25. September 2013

Die Rechtschreibung wie Mario sie sieht



Eine Casting-Agentur sucht Mitwirkende für eine TV-Sendung. Das macht sie unter anderem durch Schaltung einer Kleinanzeige bei ebay. Da erfährt man:
Beschreibung
Im Bad braucht er länger wie manche Frau, kein Spiegel ist vor ihm sicher?
Dein Partner legt sehr viel wert auf sein Äußeres?
Es ist mal Zeit für einen kleinen Denkzettel? Dann melde Dich bei uns und sei Gast in einer bekannten TV-Abend-Show. Wir freuen uns von Dir zu hören
!

Übrigens, die Sendung ist mit Mario Barth. Für alle, die mit dem Namen nichts anzufangen wissen: Mario Barth halten viele für einen ungeheuer lustigen Typen, der öffentlich super, prima  Witze und komische Episoden erzählt.   Das "wie" beim Komparativ passt somit ins Bild und wirkt authentisch. Und wer keinen Wert  auf Rechtschreibung legt, darf "Wert" auch klein schreiben. Ist schließlich eine Kleinanzeige.
Und was winkt als Lohn, nachdem man sich zum Vollhorst gemacht hat, hat machen lassen?

Als kleine Wiedergutmachung seid ihr ("Ihr wäre besser, wenn man später "Eure"schreiben möchte.) im Anschluss an den Dreh Marios VIP-Gäste bei der Aufzeichnung von „WILLKOMMEN BEI MARIO BARTH“ im Studio. +++ Wir freuen uns auf Eure Geschichten unter bewerbung@m. (Quelle: Homepage der Agentur M.)

Wenn das mal kein Anreiz ist.

Mittwoch, 18. September 2013

Enemenemu, der Depp bist Du




Liebe Mitarbeitswillige, geht es Ihnen manchmal auch so, dass man hin und wieder mit einiger Zerknirschung  einräumen muss: Ja, da warst du mal ein rechter Depp, weil du mal wieder nicht richtig in den Text geschaut hast? So erging es dem Arbeitswilligen anlässlich einer Jobanbahnung mit der Agentur Sc. in F.a.M.
Nach Übersendung der Bewerbung kam erst einmal - nichts. Dann nach einer Nachfrage seitens des Arbeitswilligen teilte man dem Arbeitswilligen mit, die Aus- und Bewertung verzögere sich wegen Urlaubs der Entscheidungsbefugten. Das ist an sich schon mal sehr sympathisch. Die geben also zu, dass Urlaub gemacht wird. Solche Geständnisse sind in unserer höchst umtriebigen Zeit , der ständigen  und immerwährenden Erreichbarkeit  ein Zeichen von Souveränität. Nach Ende der Sommerferienperiode und einer weiteren Nachfrage dann die Absage. Der Arbeitswillige drückt in seiner Antwortmail sein tiefes Bedauern aus und fragt nach, ob denn die Absager einen Hinweis geben könnten, woran es gelegen habe. Mit dieser listigen Nachfrage verband der  Arbeitswillige die Hoffnung aus einer aufrechten Antwort, Hinweise herauslesen zu können, was bei ähnlich gelagerten Jobanbahnungen optimiert werden könne. Und tatsächlich, nach einer gewissen Frist schrieb Frau ST.

...ich habe gerade gesehen, dass ich Ihnen nicht geantwortet hatte.
 Entschuldigen Sie bitte.
Wir haben uns wie gesagt für einen Bewerber entschieden, der unserer Meinung  nach ideal auf die in der Anzeige genannten Anforderungen gepasst hat. Ich bitte Sie um Verständnis für diese Entscheidung.

Kann man das als Antwort auf die Frage nach dem Warum stehen lassen?  Der Arbeitswillige präzisiert.

Sehr geehrte Frau St.
 vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider sehe ich hier keine Antwort auf  meine
 Frage aus meiner Mail vom x. September, in der ich Sie bat, mir Hinweise
 zu  geben, was den Unterschied ausmachte. Was passte nicht? Etwa: Gehaltsvorstellungen? Alter? Layout der Unterlagen? Derzeitiger Wohnort? Nichts von alldem?
 Für eine substantielle Antwort bin ich dankbar.

Fr. St. rückmailt mit leicht genervtem Unterton.

...es tut mir leid, dass ich Ihnen keine substantiellere Antwort liefern kann.
Unser Fokus lag und liegt wie in der Stellenanzeige formuliert auf einem
Mitarbeiter mit starkem redaktionellen Fokus im Bereich Industrie und
Technik mit
3-5 Jahren Berufserfahrung. Die von Ihnen genannten Kriterien wie Wohnort, Alter, Gehalt, Layout etc. spielen keine Rolle.

Ja klar, ach so, stimmt ja. Der Arbeitswillige hat ja auch deutlich mehr als 3-5 Jahre Berufserfahrung in dem relevanten Bereich. Der Arbeitgeber  hingegen verlangt 3-5 Jahre. Also nicht 2,5 oder 6 Jahre. Wer bezahlt, der darf sich was wünschen. Das ist ziemlich präzise. Das hat der Arbeitswillige in seinem Überschwang ob der wohlklingenden Jobannonce aus dem  Fokus verloren. Sein Fehler.
Und dann muss er sich eingestehen, dass er auch hin und wieder Dinge liest, die da so gar nicht stehen.  Eben erst. Da sieht er auf einem großen Zigarettenwerbeplakat den Hinweis: FRAUCHEN KANN TÖDLICH SEIN.  Steht da natürlich nicht so. Warum sollte auch ein Zigarettenhersteller einen Warnhinweis für Haustiere plakatieren. Aber so ist das eben manchmal mit dem Lesen von Texten.


Donnerstag, 12. September 2013

Können Engel lesen und schreiben?




Die Welt ist voller sonderbarer Texte. Beim Schlendern durch die hochfrequentierte Einkaufszone einer westdeutschen Großstadt  fiel der Blick des Arbeitswilligen auf die Auslage eines Juweliers, der der Produktlinie mit Namen "Engelsrufer" einen prominenten Platz eingeräumt hat. Dem potenziellen Kunden wird mittels eines Aufstellers erklärt, warum die Schmuckgegenstände mit dem klingenden Namen "Engelsrufer" seiner Kaufentscheidung (Purchase Decision) würdig seien. Man liest dort
...manchmal zum Sonnenaufgang,
wenn wir nicht genau wissen, ob wir schlafen oder wach sind,
oder zur Abenddämmerung, wenn sich Schatten bilden,
die uns an unseren Gefühlen zweifeln lassen,
spüren wir eine unsichtbare Präsenz, ein Flüstern, ein Flattern,
einen Flügelschlag bis hin zu einem Gefühl, dass etwas unsere Wangen streichelt...
etwas, das wir nicht definieren können.

Das sind die Engel, die uns umgeben, die kommen und gehen.
Sie hören unsere Geheimnisse, unser Flüstern und kennen unsere Wünsche.

Das ist ja eine feine Sache mit den Engeln. Dem ein oder anderen wird es jedoch schwer fallen, an ihre Existenz zu glauben. Das mag  allerdings an einer gewissen Abstumpfung  durch alltägliches Auf und Ab liegen . Vielen armen Erdenwesen bleibt so die Engelssphäre möglicherweise verschlossen.
Kein Grund zur Verzweiflung. Diesen Menschen kann geholfen werden durch den Kauf eines Produktes der Marke "Engelsrufer" wie sie im Schaufenster des Juweliers ausliegen. ( Online kann man die auch beziehen). Wie das funktioniert, darüber informiert der Schlusssatz des ambitionierten Textes.
Falls Du den Glauben an sie durch Kummer, Verluste im Leben oder Schmerz verloren hast,
dann ist das hier, Dein Engelsrufer, damit sie Dich und Du wieder zu ihnen finden kannst.

Darf man davon ausgehen, dass Engel  schwere Grammatikfehler verzeihen? Der Arbeitswillige weiß das nicht mit Bestimmtheit. Falls Engel sich jedoch aufgrund von derartigen Fehlern abgestoßen fühlen und sich von mit derartigen Texten beworbenen Produkten gar nicht rufen lassen wollen,
dann muss man doch tätig werden. Der Arbeitswillige setzt also eine Mail an den Geschäftsführer der Engelsruferfirma auf:

Dieser Satz, sehr geehrter Herr B., ist sehr falsch. Denn “finden kannst” gilt nur für  das Subjekt “Du”. Also: .... damit Du zu ihnen finden kannst. Nun gibt es in dem Satz noch ein weiteres Subjekt: “sie” (die Engel). Korrekterweise müsste der Satz dann lauten: .... damit sie Dich finden können.
Was Sie vielleicht meinen lautete etwa so: Damit Du sie finden kannst und sie Dich finden können. Das ist nicht besonders elegant aber richtig. Ich nehme an, dass  Ihr Unternehmen diese Textleistung, die sich auch in Ihrem Webauftritt wiederfindet, gegen Entgelt in Auftrag gegeben hat. In diesem Falle fordern Sie Geld zurück.

Herr B. antwortet nicht. Vielleicht empfindet er die Hinweise des Arbeitswilligen als Unverschämtheit und ärgert sich dermaßen darüber, dass er seine guten Kontakte zu Engeln nutzt, um einige Heerscharen auf ihn zu hetzen. Es soll unter den Engeln ja auch ein paar ziemlich militante Exemplare geben.





 

Dienstag, 3. September 2013

OH Mein Gott, die Bundesagentur für A****




Ganz klar.  Das Unternehmen aus Hannover hat  mächtig den Kaffee auf. Der Arbeitswillige liest in einer Jobannonce:
"Wir möchten an dieser Stelle nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass Bewerbungen per Post nicht besser behandelt bzw. berücksichtigt werden, als per Mail. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass uns durch schriftliche Bewerbungen ein erheblicher organisatorischer Aufwand mit immensen Kosten entsteht. Es werden unserseits keine Bewerbungsmappen zurückgeschickt! Jede Bewerbung, die uns per Mail erreicht, wird umgehend beantwortet und im System erfasst. Es können keine Daten verloren gehen und es werden keine personenbezogenen Daten an dritte weitergegeben."

Tja, liebe Mitarbeitswillige, das ist ja nun einmal ein Schlag ins Kontor für all die Ratgeber, die gerne behaupten, der Erfolg einer Bewerbung hänge ursächlich mit der Wahl von Papierqualität und Layout der Bewerbungsmappen zusammen. Old School ist nicht mehr. Aber es kommt noch besser:

"Wir begrüssen jede Bewerbung, die einen motivierten, ernsthaften Hintergrund hat. Sollten Sie von Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter genötigt werden, sich unbedingt bei uns zu bewerben, können Sie sich getrost die Zeit und das Geld sparen."

Ehrliche Worte. Da verzeiht  der Arbeitswillige gerne kleinere Rechtschreibfehler. Doch wie groß muss das Elend sein, dass die Bundesagentur für A**** mit ihren Maßnahmen anrichtet? Dem ist wohl kaum etwas hinzu zu fügen.