Freitag, 22. Februar 2013

Journalismus aus der Sicht einer großen und einflussreichen Wirtsschaftsprüfungsgesellschaft



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Eine große und einflussreiche Beratungs- und  Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sucht einen Senior Konzeptionierer/Texter.  Die Perspektiven, die sich eröffnen seien - wie bereits oft gelesen - außergewöhnlich und überaus verlockend. Dafür verlangt das Unternehmen aber  schon was. So lesen die Arbeitswilligen unter Profil:
Sie haben Ihr Hochschul- oder Fachhochschulstudium mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Sie verfügen über langjährige journalistische und redaktionelle Erfahrung, die Sie in der Kommunikationsabteilung eines Medienunternehmens oder einer Werbeagentur sammeln konnten,
Klingt eigentlich ganz harmlos? Beim zweiten Nachdenken fragte sich der Arbeitswillige dann, seit wann sind  Kommunikationsabteilungen oder Werbeagenturen Orte, in denen Wert auf journalistisches Arbeiten gelegt wird?
Es ist doch ein  bestimmendes Charakteristikum  von Journalismus  - oder sollte es zumindest sein- dass gelegentlich kritisch und unbequem hinterfragt wird, dass nicht nur die Meinung gilt, für die Geld da ist.  In Kommunikationsabteilungen und Werbeagenturen hingegen gilt nur eine Richtung: Wer zahlt bestimmt, was gespielt wird.
Also, entweder hat die große und einflussreiche Beratungs- und  Wirtschaftsprüfungsgesellschaft da etwas schief formuliert oder etwas nicht verstanden oder es ist ihr völlig egal, weil sie davon ausgeht, dass so etwas wie Journalismus eh nicht mehr existiert, existieren wird, weil Meinungen und Informationen in Kommunikationsabteilungen und Webeagenturen gemacht werden.  Letzteres kann man so sehen,  wenn man eine große und einflussreiche Beratungs- und  Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist.

Montag, 11. Februar 2013

Visionen, Waidmänner und Telekom für Eingeweihte



Wer hat noch nicht mit staunenden Ohren gelauscht, wenn Waidmänner von ihrem angeblich edlen Waidwerk erzählen? Da fallen Worte wie:  Abbaumen, ein Stück aufbrechen, aus der Decke schlagen, verkuhlen, Bruch und Schweiß, ein Stück verhofft und dergleichen mehr. Lassen wir den Jägersleuten ihre verbalen Grillen, respektieren wir ihren Jargon, der sich über Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte etabliert hat und diejenigen, die ihn zu gebrauchen verstehen, als Mitglieder eines eingeweihten Kreises, ja einer Bruderschaft ausweist.
Einen Jargon der ganz besonderen Art pflegt meisterlich auch das Telekom-Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn, das die regionalen Grenzen längst überwunden hat und nunmehr als Global Player bezeichnet werden darf. (Damit ist nicht die Konversation mit Call-Center MA gemeint.) Die Lektüre einer Jobannonce dieses Unternehmens ist immer wieder ein Vergnügen, eine Bereicherung, da sich der Blick weitet  in die vagen Universen verschwurbelter Streusandinformationen. Das beginnt mit der Stellenbezeichnung.
Gesucht wird ein:
Fach-Senior Manager Core Telco Products Evangelist (m/w)
Alle Achtung wie hier elegant das Beste aus zwei Sprachwelten komponiert wird. Allein, wie spricht man das richtig aus? Deutsch und solide: „Fach“ und dann weiter mit englischem /amerikanischem Zungenschlag? Oder ist bereits "Fach" wie "Fäk" auszusprechen.
Weiter heißt es:
Wir sorgen für Kundenorientierung, Einfachheit, ein exzellentes Nutzungserlebnis, ein werthaltiges Produktportfolio und nachhaltige Wirtschaftlichkeit. Neben einem tiefen Markt- und Kundenverständnis bringen wir Unternehmertum sowie Innovations- und Technologiekompetenz in die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen im Konzern ein. Für die Realisierung der Konzernvision 'Connected Life and Work' brauchen wir Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichsten Profilen, die Neugierde und Kreativität in unser erfolgreiches Team einbringen.
Es ist prima zu erfahren, dass der Konzern eine fest umrissene Vision hat. Nur Spötter wie der Altbundeskanzler merken hier an: Wer Visionen hat, möge zum Arzt gehen. "Nicht nur der psychisch Labile hat gelegentlich eine Vision sondern auch der trommeltanzende, Psychopilze kauende Schamane oder der inbrünstig Katholische. Letzterer wird mit einigem Glück und Geschick heiliggesprochen. Sollte der Wunsch nach Heiligsprechung hinter der Vision der Telekom stehen? Besteht der unternehmerische Ehrgeiz darin, die Heiligenschar um einen Sankt Telekom zu bereichern?"
(Apropos Vision. Der Arbeitswillige glaubt sich zu erinnern, in einer zurückliegenden Offerte erfahren zu haben, das Unternehmen verfolge eine "Mission". Nun also eine Vision. Vision sticht Mission. Das ist schlau. Das kann man so sehen.)
Zunächst liest sich die Aufgabenbeschreibung wie etwas, das man mit Fertigkeiten in externer / interner Kommunikation durchaus lösen kann. Die Lust am eitlen, pompösen Fabulieren ist in der Offerte stets spürbar. (Der Arbeitswillige erspart sich die 1:1 Wiedergabe an dieser Stelle).
Die Sache hat jedoch einen fetten Haken. Denn die Offerte richtet sich nur an Bewerber, die die telekomeigene Initiation bereits hinter sich haben.
  • Idealer Weise haben Sie ein Hochschulstudium abgeschlossen und
    bereits umfangreiche Erfahrungen in verschiedenen Aufgaben und
    Funktionen bei der Telekom gesammelt.
  • Wir erwarten von Bewerbern für diese Aufgabe umfassende
    Kenntnis des Telekom Konzerns, seiner Strategie und Struktur,
    Produkte und Dienste.
Der Arbeitswillige fragt sich, warum das Unternehmen für den freien Markt eine derartige Anzeige schaltet, wo doch offenbar nur Kandidaten in Betracht kommen, die bereits mit dem Unternehmen vertraut sind, sprich Hausgewächse. Also, um mit dem Waidmann zu sprechen: Warum verkuhlt das Unternehmen seine Besetzungswünsche nicht auf internen Plattformen? Dort finden sich gewiss Menschen in ausreichender Zahl, die gut im Feuer stehen und auch vertraut äsend sich dem Auswahlverfahren stellen. Die können dann mitreden und mitverstehen, weil sie mit dem Intern-Sprech vertraut sind. Frohes Aufbaumen wünscht dabei der Arbeitswillige.
Weiter fragt sich der Arbeitswillige, ob tatsächlich Menschen von Bildung, Geschmack und Stilempfinden, die überdies noch " Kundenorientierung und Einfachheit" (s.o.) auf ihren Fahnen führen, sich von derartigem Wortgeklingel angesprochen fühlen.
Nach einigem Überlegen ist die Antwort ganz einfach: Die suchen nicht. Die haben ja schon. Und zwar jemanden, der kein Spaßverderber ist, weil er den Konzernjargon abspulen kann. Das ist nicht verwerflich. Denn: Nehmen wir einmal an, man kommt als Novize in die Runde von Waidmännern, die enthusiastisch von Luderkuhle, Bruch und Geäse sprechen. Und der Novize muss bei jedem 2.Begriff nachfragen, was damit gemeint sein könnte. Da kann doch keine Vision entstehen. Geschweige denn transportiert werden. Und so sagt der Arbeitswillige mit leisem Bedauern: Bleibt man schön unter euch.










Mittwoch, 6. Februar 2013

Stylischer Livestyle und Fleisch




Aus gegebenem Anlass  traten  dem Arbeitswilligen  Bilder einer weithin als Vorreiterin  stylischen, hochmodernen Lifestyles geschätzten Künstlerin vor seine inneren Augen. Lady Gaga trug angelegentlich ein Kleid aus Fleischlappen. Wahrscheinlich Rindfleisch. Wahrscheinlich Rind, weil Schwein in bestimmten Weltgegenden eher abschätzig bis  ablehnend begegnet wird.
 Wer es nicht glauben mag, hier ein Link zur Überprüfung: https://www.google.de/search?q=lady+gaga+fleischkleid&hl=de&tbo=u&tbm=isch&source=univ&sa=X&ei=xUASUfrEOs_DtAarxIGACg&sqi=2&ved=0CDAQsAQ&biw=1437&
Das ist der Beweis. Lifestyle und Fleisch können eine attraktive Verbindung eingehen, stehen unter Umständen an der Spitze dessen, was als höchst angesagt gelten darf. 
Darauf setzt auch ein Unternehmen aus einem Ort, der bislang nicht als Hort des fortgeschrittenen Hipstertums aufgefallen ist. Und dieses Unternehmen sucht in einer Anzeige einen Mitarbeiter für Pressearbeit und Social Media.  Der Mitarbeiter soll ausgestattet sein " mit Affinität zu Luxus und Lifestyle im Zusammenhang mit Lebensmitteln insbesondere Steaks."
Neben den  üblichen Obliegenheiten einer derartigen Tätigkeit soll der Mitarbeiter auch die     " Zusammenarbeit mit Hochschulen bei wissenschaftlichen Projekten" fördern und über "ausgezeichnete Englischkenntnisse" verfügen. Englischkenntnisse sind wohl ziemlich ausschlaggebend. Denn wie sollte sonst mit Stilikonen wie Lady Gaga kommuniziert werden. Stilikonen sprechen und schreiben bevorzugt englisch. Das dürfte  jedem klar sein. Und auch bei wissenschaftlichen Projekten sind Fremdsprachen kein Hindernis. Schwerpunkte des Forschungsinteresses könnten - im Falle von Lady Gaga - wohl Haltbarkeit und die Vermeidung von Geruchsbildung sein bei Fleisch, das bei der Präsentation schon als "länger frisch" bezeichnet werden muss.
Nun wäre es allerdings zu kurz gegriffen, annehmen zu wollen, das Unternehmen plane ausschließlich Werbeaktionen wie die mit Lady Gaga. Nein, die Steaks sollen unter anderem auch verzehrt werden.  In diese Richtung weisen weitere Anforderungen an den Bewerber:
"· Hohes Maß an Kreativität und eine Liebe zu leckeren Prime Steaks
· Übersprudelnde Energie um diese einzigartige und interessante Aufgabe auszufüllen".
Das lässt sich leicht machen. Denn wie man weiß, gibt leckeres Fleisch jede Menge Energie. Es sei denn, man ist eingefleischter Vegetarier. Aber so jemand hat in dem Job eh nichts zu suchen.
Was wird geboten? Dazu schreibt das Unternehmen: "Wir bieten eine höchst attraktive Position beim Marktführer für Prime Steaks im Internet."
Das Unternehmen ist dermaßen stylish, das es offenbar seine Steaks nicht länger auf Teller - oder rustikaler auf dem Holzbrett - serviert. Nein, jetzt lassen sich die Portionen offenbar auch direkt im Internet genießen. Toll. Was die alles ermöglichen können. Prime Steaks im Internet. Die geruchsintensive Zubereitung in der heimischen oder Gastro- Küche entfällt. Ab sofort? Nicht ganz. Hier gibt das Unternehmen einen zarten Hinweis:
"Bei G. erwartet Sie ein junges motiviertes Team, das bereit ist, die Verzehrgewohnheiten der Genießer in den nächsten Jahren zu verändern." 
Das ist allerdings eine Herkulesaufgabe, findet der Arbeitswillige. Verzehrgewohnheiten verändern, weg vom Teller hin zum Internet. Der Arbeitswillige bezweifelt, ob seine Fähigkeiten und Motivationen ausreichen, diese hohen Ansprüche einlösen zu können. Aber das junge Team - exklusive Älterer und Vegetarier - wird diese Revolution der Esskultur schon schaffen.
Noch ein PS: Es soll ja Menschen geben, die Lady Gage auch ohne - oder gerade ohne - stylisches Fleischkleid ziemlich lecker finden.









Montag, 14. Januar 2013

Teil II. Die Rolle der Leidenschaft in der Arbeitswelt. "Das Ergebnis"





Der geneigte Leser möge sich erinnern, dass der Arbeitswillige qua Annonce aufgefordert wurde, die Leidenschaft eines Unternehmens zu entfachen. (Siehe hierzu: Die Rolle der Leidenschaft in der Arbeitswelt.) So eine Entfachung ist ja per se keine einfache Sache, aber prinzipiell machbar, wenn Platz dafür vorhanden ist. Aber eben das schien  bei näherer Betrachtung der Annonce nicht der Fall zu sein. Und so legte der Arbeitswillige dieses Dilemma in seinem Bewerbungsschreiben zu Füßen der Entscheidungsfinderinnen. Er schrieb:

Über einen Punkt Ihrer Annonce bitte ich um Aufklärung: Sie fordern mich auf "Entfachen Sie unsere Leidenschaft". Im Kopf der Anzeige erklären Sie: "Die Gxxx GMBH gibt Leidenschaft eine tiefere Bedeutung: Wir suchen in mehreren tausend Metern Tiefe nach Erdöl und Erdgas. Mit professioneller Passion, einem Team von rund 600 Beschäftigten und als Teil eines der weltgrößten Energiekonzerne..."
Aus dieser Aussage darf ich schließen, dass "Leidenschaft" in Ihrem Unternehmen bereits ausreichend vorhanden ist. Wenn es sich so verhält, wie sollte ich dann Leidenschaft entfachen, also etwas erzeugen, das ja bereits da ist.

Darauf gibt es keine Antwort aber eine im üblichen Ton verfasste Absage. Mit dem ebenfalls üblichen Hinweis, man habe enorm viele Bewerbungen erhalten und man habe gründlich geprüft. Der Arbeitswillige muss  zähneknirschend einsehen, dass es offenbar enorm viele Mitbewerber gibt, die sich auf die Entfachung von Leidenschaft besser verstehen als er und es überdies verstehen, diese besondere Begabung bereits durch Bewerbungsunterlagen glaubhaft zu machen.
Es bleibt nur, Bedauern gegenüber der Entscheidung zu formulieren:

Sehr geehrte Frau W.,
das ist traurig zu hören. Insbesondere, da ich nunmehr keinerlei Gelegenheit haben werde, Ihre Leidenschaft zu entfachen, wie es in der Anzeige gefordert wurde.
Ich hatte mir da bereits das ein oder andere überlegt.
Mit herzlichen Grüßen
Anton Strumpf

Übrigens: Die Absenderadresse stammt von einer Frau Annemarie B. unterzeichnet jedoch wie folgt:

gez.i.V. R. W.  gez.i.A. S. W.

Also wer von den Damen und dem Herrn hat nun wen beauftragt in wessen Vertretung? Das wird dem Arbeitswilligen nicht recht klar. Wahrscheinlich hat das wieder etwas mit Leidenschaft zu tun.



Freitag, 11. Januar 2013

Multimultimultifunktionale Tätigkeitsverdichtung



(Tapfer sein. Längerer Text)

Donnerwetter, sagte sich der Arbeitswillige angesichts der Wunschliste eines möglichen Arbeitgebers. Ein Redakteur wird gesucht für das Web-TV eines regionalen Unternehmens, das Datennetze, Logistik, Energie, Wasser etc. anbietet. Das Anforderungsprofil (in Auszügen):

-  Abgeschlossenes Hochschulstudium, idealerweise Journalistik, Kommunikationswissenschaft oder
ähnliche Fachrichtung
-  Einschlägige Erfahrungen in der Produktion von Web-TV Beiträgen
-  Sicherer Umgang mit VJ-Kameras und Videoschnittsystemen (Premiere)
-  Technisches Know-how im Bereich Video/Audio
-  Ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung neuer Bewegtbildmedien und deren Einsatz in der  Unternehmenskommunikation
-  Sicheres Beherrschen journalistischer Darstellungsformen und Interviewtechniken (insbesondere für audiovisuelle und Online-Medien)
-  Perfektes Beherrschen der deutschen Sprache sowie eine gute Aussprache, idealerweise erste
Sprechererfahrungen
-  Ausgeprägte Fähigkeiten im Bereich Moderation/Präsentation
-  Erfahrungen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  in Unternehmen, idealerweise im Bereich Online,  Social Media oder Video
-  Grundlegende Kenntnisse des Projektmanagements
-  Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Agenturen
-  Sicherer Umgang mit Office-Programmen (Windows/Mac) sowie grundlegende Kenntnisse von  Kreativprogrammen (Photoshop, InDesign)

Und die Aufgaben (ebenfalls in Auszügen):

- Moderation von Web-TV Beiträgen/Studiotalks
- Koordination von Videojournalisten  und Produktionsteams
- Strategische und kreative Weiterentwicklung des Formats
-  Produktion von Web-TV Beiträgen für das Konzern-Intranet im Rahmen eines internen  Kommunikationskonzeptes
- Produktion von Videobeiträgen/Trailern für sonstige interne und externe Kommunikationszwecke
(Veranstaltungen, Werbung etc.)
- Technische und organisatorische Betreuung des Web-TV Studios und angeschlossenem Regie- und Schnittplatz
-  Redaktion und Produktion von Beiträgen für diverse Print- und Onlinemedien (Kundenmagazin „einundzwanzig“, Flyer, Präsentationen etc.)
-  Medienarbeit, Organisation von Presseterminen und Beantwortung von Foto-, Dreh- und Presseanfragen etc.

Wie gesagt, das sind lediglich Auszüge aus der imponierend detailreichen Wunschliste. Kurz gesagt:
Ein  breitestes Spektrum redaktioneller  Fertigkeiten möge der Kandidat / die Kandidatin mitbringen.
(Wobei die Erfahrung zeigt, dass ein guter Talk-Moderator etwa nicht unbedingt ein guter Organisator  oder Filmautor sein muss.)
Darüber hinaus wird fundierte Praxis in technischen Belangen - Kameraführung, Studioregie, Ton und Schnitt - verlangt. Die Fähigkeit, Scheinwerfer zu setzen, womöglich eine Lichtdramaturgie zu entwickeln, wird nicht erwähnt. Würde aber das Gesamtbild  komplettieren. Als mit der Materie Vertrauter ist der Arbeitswillige bislang davon ausgegangen, dass ein Redakteur gerade technisch getriebene Prozesse besser Spezialisten überlassen sollte wie: Kameraleuten, Studiotechnikern, Cuttern, Beleuchtern und dergleichen mehr. Das ergibt in der Regel ein ansprechenderes Ergebnis.
Doch nein. Ein Anruf beim AG klärt auf: All diese Fähigkeiten muss eine Person auf sich vereinen. Details seien nicht verhandelbar. Multifunktionalität ist der Zauberbegriff. Die Frage, ob ein Redakteur im Rahmen der technischen Betreuung (siehe oben) gut mit dem Lötkolben umgehen müsse, blieb im Gespräch unbeantwortet.
Nun hat der Arbeitswillige beim Thema gespreizter Multifunktionalität einige Vorbehalte. Nehmen wir zum Beispiel diese Geräte, die drucken, faxen und scannen können und zu erstaunlich niedrigen Preisen angeboten werden. Man darf ruhig davon ausgehen, dass bei diesen Geräten mindestens eine Funktion eher weniger gut ausgeführt wird. (Bei Geräten unter 100 € sind es wohl alle Funktionen.) Oder um ein anderes Bild zu verwenden: Man darf doch hochzufrieden sein, wenn ein Zahnarzt  seinen Job gut macht. Er ist nicht dadurch ein guter Zahnarzt, wenn er zudem Herzen transplantieren kann.
Mag aber sein, die Qualitätsansprüche und - Vorstellungen des Arbeitswilligen decken sich nicht mit denen des AG.
Und wie wird so ein multifunktionaler  Mitarbeiter letztlich bezahlt? Ich denke, darüber muss man sich keine Sorgen machen. Durch Peer Steinbrück wissen wir: Versorgungsunternehmen zahlen recht ordentlich.