Montag, 14. Januar 2013

Teil II. Die Rolle der Leidenschaft in der Arbeitswelt. "Das Ergebnis"





Der geneigte Leser möge sich erinnern, dass der Arbeitswillige qua Annonce aufgefordert wurde, die Leidenschaft eines Unternehmens zu entfachen. (Siehe hierzu: Die Rolle der Leidenschaft in der Arbeitswelt.) So eine Entfachung ist ja per se keine einfache Sache, aber prinzipiell machbar, wenn Platz dafür vorhanden ist. Aber eben das schien  bei näherer Betrachtung der Annonce nicht der Fall zu sein. Und so legte der Arbeitswillige dieses Dilemma in seinem Bewerbungsschreiben zu Füßen der Entscheidungsfinderinnen. Er schrieb:

Über einen Punkt Ihrer Annonce bitte ich um Aufklärung: Sie fordern mich auf "Entfachen Sie unsere Leidenschaft". Im Kopf der Anzeige erklären Sie: "Die Gxxx GMBH gibt Leidenschaft eine tiefere Bedeutung: Wir suchen in mehreren tausend Metern Tiefe nach Erdöl und Erdgas. Mit professioneller Passion, einem Team von rund 600 Beschäftigten und als Teil eines der weltgrößten Energiekonzerne..."
Aus dieser Aussage darf ich schließen, dass "Leidenschaft" in Ihrem Unternehmen bereits ausreichend vorhanden ist. Wenn es sich so verhält, wie sollte ich dann Leidenschaft entfachen, also etwas erzeugen, das ja bereits da ist.

Darauf gibt es keine Antwort aber eine im üblichen Ton verfasste Absage. Mit dem ebenfalls üblichen Hinweis, man habe enorm viele Bewerbungen erhalten und man habe gründlich geprüft. Der Arbeitswillige muss  zähneknirschend einsehen, dass es offenbar enorm viele Mitbewerber gibt, die sich auf die Entfachung von Leidenschaft besser verstehen als er und es überdies verstehen, diese besondere Begabung bereits durch Bewerbungsunterlagen glaubhaft zu machen.
Es bleibt nur, Bedauern gegenüber der Entscheidung zu formulieren:

Sehr geehrte Frau W.,
das ist traurig zu hören. Insbesondere, da ich nunmehr keinerlei Gelegenheit haben werde, Ihre Leidenschaft zu entfachen, wie es in der Anzeige gefordert wurde.
Ich hatte mir da bereits das ein oder andere überlegt.
Mit herzlichen Grüßen
Anton Strumpf

Übrigens: Die Absenderadresse stammt von einer Frau Annemarie B. unterzeichnet jedoch wie folgt:

gez.i.V. R. W.  gez.i.A. S. W.

Also wer von den Damen und dem Herrn hat nun wen beauftragt in wessen Vertretung? Das wird dem Arbeitswilligen nicht recht klar. Wahrscheinlich hat das wieder etwas mit Leidenschaft zu tun.



Freitag, 11. Januar 2013

Multimultimultifunktionale Tätigkeitsverdichtung



(Tapfer sein. Längerer Text)

Donnerwetter, sagte sich der Arbeitswillige angesichts der Wunschliste eines möglichen Arbeitgebers. Ein Redakteur wird gesucht für das Web-TV eines regionalen Unternehmens, das Datennetze, Logistik, Energie, Wasser etc. anbietet. Das Anforderungsprofil (in Auszügen):

-  Abgeschlossenes Hochschulstudium, idealerweise Journalistik, Kommunikationswissenschaft oder
ähnliche Fachrichtung
-  Einschlägige Erfahrungen in der Produktion von Web-TV Beiträgen
-  Sicherer Umgang mit VJ-Kameras und Videoschnittsystemen (Premiere)
-  Technisches Know-how im Bereich Video/Audio
-  Ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung neuer Bewegtbildmedien und deren Einsatz in der  Unternehmenskommunikation
-  Sicheres Beherrschen journalistischer Darstellungsformen und Interviewtechniken (insbesondere für audiovisuelle und Online-Medien)
-  Perfektes Beherrschen der deutschen Sprache sowie eine gute Aussprache, idealerweise erste
Sprechererfahrungen
-  Ausgeprägte Fähigkeiten im Bereich Moderation/Präsentation
-  Erfahrungen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  in Unternehmen, idealerweise im Bereich Online,  Social Media oder Video
-  Grundlegende Kenntnisse des Projektmanagements
-  Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Agenturen
-  Sicherer Umgang mit Office-Programmen (Windows/Mac) sowie grundlegende Kenntnisse von  Kreativprogrammen (Photoshop, InDesign)

Und die Aufgaben (ebenfalls in Auszügen):

- Moderation von Web-TV Beiträgen/Studiotalks
- Koordination von Videojournalisten  und Produktionsteams
- Strategische und kreative Weiterentwicklung des Formats
-  Produktion von Web-TV Beiträgen für das Konzern-Intranet im Rahmen eines internen  Kommunikationskonzeptes
- Produktion von Videobeiträgen/Trailern für sonstige interne und externe Kommunikationszwecke
(Veranstaltungen, Werbung etc.)
- Technische und organisatorische Betreuung des Web-TV Studios und angeschlossenem Regie- und Schnittplatz
-  Redaktion und Produktion von Beiträgen für diverse Print- und Onlinemedien (Kundenmagazin „einundzwanzig“, Flyer, Präsentationen etc.)
-  Medienarbeit, Organisation von Presseterminen und Beantwortung von Foto-, Dreh- und Presseanfragen etc.

Wie gesagt, das sind lediglich Auszüge aus der imponierend detailreichen Wunschliste. Kurz gesagt:
Ein  breitestes Spektrum redaktioneller  Fertigkeiten möge der Kandidat / die Kandidatin mitbringen.
(Wobei die Erfahrung zeigt, dass ein guter Talk-Moderator etwa nicht unbedingt ein guter Organisator  oder Filmautor sein muss.)
Darüber hinaus wird fundierte Praxis in technischen Belangen - Kameraführung, Studioregie, Ton und Schnitt - verlangt. Die Fähigkeit, Scheinwerfer zu setzen, womöglich eine Lichtdramaturgie zu entwickeln, wird nicht erwähnt. Würde aber das Gesamtbild  komplettieren. Als mit der Materie Vertrauter ist der Arbeitswillige bislang davon ausgegangen, dass ein Redakteur gerade technisch getriebene Prozesse besser Spezialisten überlassen sollte wie: Kameraleuten, Studiotechnikern, Cuttern, Beleuchtern und dergleichen mehr. Das ergibt in der Regel ein ansprechenderes Ergebnis.
Doch nein. Ein Anruf beim AG klärt auf: All diese Fähigkeiten muss eine Person auf sich vereinen. Details seien nicht verhandelbar. Multifunktionalität ist der Zauberbegriff. Die Frage, ob ein Redakteur im Rahmen der technischen Betreuung (siehe oben) gut mit dem Lötkolben umgehen müsse, blieb im Gespräch unbeantwortet.
Nun hat der Arbeitswillige beim Thema gespreizter Multifunktionalität einige Vorbehalte. Nehmen wir zum Beispiel diese Geräte, die drucken, faxen und scannen können und zu erstaunlich niedrigen Preisen angeboten werden. Man darf ruhig davon ausgehen, dass bei diesen Geräten mindestens eine Funktion eher weniger gut ausgeführt wird. (Bei Geräten unter 100 € sind es wohl alle Funktionen.) Oder um ein anderes Bild zu verwenden: Man darf doch hochzufrieden sein, wenn ein Zahnarzt  seinen Job gut macht. Er ist nicht dadurch ein guter Zahnarzt, wenn er zudem Herzen transplantieren kann.
Mag aber sein, die Qualitätsansprüche und - Vorstellungen des Arbeitswilligen decken sich nicht mit denen des AG.
Und wie wird so ein multifunktionaler  Mitarbeiter letztlich bezahlt? Ich denke, darüber muss man sich keine Sorgen machen. Durch Peer Steinbrück wissen wir: Versorgungsunternehmen zahlen recht ordentlich.






Mittwoch, 9. Januar 2013

Die Annonce als subtiler Hilfeschrei





Manche Annoncen tragen das Hauptargument, warum die ausgeschriebene Position von größerer Wichtigkeit sei, schonungslos vor. So auch in dem Fall der Annonce für eine auf 2 Jahre beschränkte Tätigkeit an einer norddeutschen Fachhochschule. Der / die Verfasser(in) dieser Anzeige versteht es, Sinn und Berechtigung der ausgeschriebenen Position schnörkellos auf den Punkt zu bringen. So steht dort:
 "Zu den wesentlichen Aufgaben gehören in Abstimmung mit dem Leiter Kommunikation:
  • Recherchieren, Verfassen und Redigieren von Texte (sic!)
  • Konzeption und redaktionelle Betreuung.... etc."
Die benötigen wirklich jemanden, der / die das mit den Texten noch mal erklärt. Wie das so läuft und was man machen kann, wenn einem so ein Rächtsschreibfehler passiert. Leider ist die Stelle auf 2 Jahre befristet. Was passiert 2016, wenn die Stelle ausgelaufen sein wird? Hofft man seitens der Fachhochschule darauf, dass dann keine Texte mehr redigiert oder verfasst werden müssen, weil es dafür dann eine App gibt? Oder weil dann die Rechtschreibung qua Volksbegehren  abgeschafft sein wird? Abschließende Anmerkung: Gemessen an der Notwendigkeit der angebotenen Tätigkeit ist das Entgelt eher mäßig.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Die Rolle der Leidenschaft in der Arbeitswelt




Miesepetrige Kritiker behaupten, in unserer komplett reglementierten Lebens- und Arbeitswelt spiele die Leidenschaft eine nur noch marginale Rolle. Dabei sei Leidenschaft nicht nur eine "conditio sine qua non" für Erfolg, sondern auch eine allgemeine Bereicherung. Sie irren! ruft der Arbeitswillige diesen Kritikern zu. Die Arbeitswelt ist voller Leidenschaft/Passion. Nicht von ungefähr führt eine große deutsche Bank das Motto "Leistung aus Leidenschaft" (Insidersprech: "Lal").
Fraglos ist Leidenschaft eine Haupttriebfeder menschlichen Strebens. Das wissen Unternehmen ganz genau und fordern Leidenschaft ein. Hingabe an den Geschäftszweck mit jeder Faser, jedem Atemzug. Diesen Wunsch kann man ja nachvollziehen. Der Arbeitswillige findet das auch in der Ordnung.
Nun prallte ihm in einer Annonce wieder Leidenschaft entgegen: "Entfachen Sie unsere Leidenschaft!" (Auch in der Originalanzeige ist diese Kernaufforderung rot hervorgehoben.)
Nun hat der Arbeitswillige so seine Erfahrungen mit dem Entfachen von Leidenschaft. Allerdings eher im privaten Bereich. Ging es doch eher um den engagierten Vortrag selbstverfasster Reime und den stürmischen Vortrag auf der Gitarre, um die Passion der Angebeteten zu entfachen. Der Arbeitswillige muss gestehen, es war nicht durchweg zielführend. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen fragt er sich nun, wie es ihm gelingen möge, die Leidenschaft eines ganzen Unternehmens zu entfachen. Denn das steckt ja wohl hinter dem "uns" in der Anzeige.
Schauen wir doch mal was dieses Unternehmen, dessen Leidenschaft von dem Arbeitswilligen entfacht werden möchte, treibt.
"Die XY DEUTSCHLAND GMBH gibt Leidenschaft eine tiefere Bedeutung: Wir suchen in mehreren tausend Metern Tiefe nach Erdöl und Erdgas. Mit professioneller Passion, einem Team von rund 600 Beschäftigten und als Teil eines der weltgrößten Energiekonzerne – der XY Gruppe. Was wir von Ihnen fordern, sind Einsatzwille und Leistung. Kurz: Ihre Mitarbeit mit ganzer Leidenschaft."
Aus dieser Selbstdarstellung darf der Arbeitswillige schließen: Leidenschaft ist bei XY bereits reichlich vorhanden und wird von den 600 Beschäftigten gelebt. Und wenn nun ein Neuling gesucht wird, muss der selbstverständlich in die Kultur passen. Das versteht der Arbeitswillige. Was er nicht so ganz versteht ist hier die Aufforderung " Entfachen Sie unsere Leidenschaft!". Das kann ja nur heißen, dass es mit der bereits vorhandenen Leidenschaft nicht so toll sein kann. Sonst müsste sie ja nicht vom Arbeitswilligen entfacht werden. Überdies sagt der Volksmund, um Leidenschaft zu entfachen, genüge häufig nur ein Funke. Wenn man nun die Tätigkeit des Unternehmens betrachtet - die Förderung von Gas und Öl - und dann kommt nun noch der entfachende Funke der Leidenschaft des Arbeitswilligen hinzu... Das könnte das Gemisch aus Gas und Öl zur Explosion bringen. Wollen die das wirklich? Der Arbeitswillige fragt lieber mal nach, wie das gemeint ist mit dem Entfachen der Leidenschaft. Über die Erklärung  seitens XY wird der Arbeitswillige an dieser Stelle berichten.