Donnerstag, 21. August 2014

Das Trüffelschwein wurde offenbar gefunden. Herzlichen Glückwunsch Unitedp.



Unter dem Titel "Das innere Trüffelschwein" berichtete der Arbeitswillig an dieser Stelle am 15.Juli 2014 über ein recht besonderes Anforderungsprofil. Gesucht wurde ein Trüffelschwein, das abdruckfreie Seiten findet. Weitere Details dazu an eben jenem Ort. Nun hat sich der Arbeitswillige auch direkt an den Jobanbieter gewandt. Und zwar so:
"Sehr geehrter Herr B., zu meinen künftigen Aufgaben wird es laut Ihrer Annonce  gehören, Stories zu erkennen und abdruckfreien Platz in Magazinen zu entdecken. Daraufhin habe ich einige mir zur Verfügung stehende Magazine durchgesehen auf der Suche nach abdruckfreien Plätzen. Die traurige Wahrheit ist, abdruckfreier Platz  - also Seiten auf denen nichts oder kaum etwas abgedruckt ist - ist kaum zu finden. Was ich allerdings gefunden habe,  sind Möglichkeiten, wie Magazine mehr Platz schaffen, etwa durch die Wahl einer kleineren Schrifttype, Änderung des Layouts oder Verkleinerung von Bildern und Grafiken. Da geht bestimmt noch was. Hier anzusetzen, Überzeugungsarbeit bei den Magazinverantwortlichen zu leisten, das sehe ich als meine Aufgabe. Weitere Details würde ich gern in einem persönlichen Gespräch erörtern. Mit besten Grüßen "
Das Unternehmen Unitedp. mailt nach einer gewissen Frist zurück:
"Sehr geehrter Arbeitswilliger, vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an einer Mitarbeit in unserem Unternehmen. Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass wir die Position des Redakteurs/Texters anderweitig besetzt haben."
Uuups, da gibt es tatsächlich jemanden, der (m/w) noch mehr Trüffelschwein ist als der Arbeitswillige, der noch besser beim Aufspüren leerer Seiten ist. Vielleicht liegt die Absage aber auch darin begründet, weil der Arbeitswillige keinen Lebenslauf oder Zeugnisse mit gesandt hat. In voller Absicht. Denn diese Dokumente hätten zu Tage gebracht, der Arbeitswillige verfügt über keinerlei dokumentierte Qualifikation als Leere-Seiten-Finder - aka Trüffelschwein.



Donnerstag, 14. August 2014

Man staune - die Schweiz nun wieder



Wer die Einwohner der Schweiz als etwas altstolz und in starren Denkmustern verhaftet wähnt, muss allmählich im Kopf mal umarrangieren. Der Schweizer an sich - die Schweizerin erst recht -  ist zumindest was  die Gender-Diskussion anbelangt sehr fortschrittlich. Beweis gefällig?
Eine Agentur aus Zürich sucht:
"Kommunikations Designer (m/w, 80 – 100%) liebt Genuss und Events"
Der Arbeitgeberwunsch, der Kandidat(m/w) möge den Genuss und die damit verbundenen Events lieben, scheint selbst für Züricher Verhältnisse nicht außergewöhnlich.
Aufhorchen lässt schon eher  das "m/w, 80-100%". Das heißt ja ( Rechenschieber rausholen liebe Mitarbeitswillige!) Frauen und Männer sind willkommen, auch solche, deren Geschlecht nicht so ganz eindeutig ist aber doch eine gewisse Tendenz zeigt. Also eine Frau darf noch zu 20% Mann sein, ein Mann noch zu 20% Frau. So in etwa: Pumps und Faltenrock, kleinere Oberweite aber Schnurres und unrasierte Achseln. Alles geht, Hauptsache Liebe zum Genuss. Wer hier mäkeln will, kann das gerne machen. Warum sind die Grenzen nicht  weiter gezogen ?  Etwa: m/w  30-100%. Bis das in Zürich statthaft ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. Aber immerhin ist man auf gutem Weg.




  

Dienstag, 5. August 2014

Eine Erbse und noch ne Erbse, eine weitere Erbse....




 Es steht geschrieben:

"J.v.Sowieso sucht Senior Copywriter (m/w).
Mit langjähriger Joberfahrung in einer Kreativagentur, versiert in integriertes Arbeiten und erfahren an der Kundenfront, entstehen unter der Feder des idealen JvXX-Copywriters neue, bahnbrechende Kampagnen. Er ist verantwortlich für die sprachliche Optimierung aller Texte – von der Headline bis zur Adresszeile – und trifft dabei immer den richtigen Ton. Er betreut seine Projekte ganzheitlich und bespielt dabei locker die gesamte Werbemittelklaviatur."

Der Dativ nun wieder. Der kommt aus der Mode. Bleibt die Hoffnung, dass der künftige Copywriter versiert in integriertem  Arbeiten ist. Dann klappt das vielleicht mit der sprachlichen Optimierung aller Texte -  unter Einbeziehung des Dativs.


Samstag, 2. August 2014

Berater beraten wen sie wollen.Toll!




Manchmal muss eine schmissige Formulierung her, damit der Laden wieder richtig rund läuft. Wer nicht von selbst auf so eine Formulierung kommt, der kann Beratungsunternehmen engagieren, die so etwas von Haus aus können.
Die FDP ( ja, die scheint es noch zu geben ) hat sich beraten lassen und zwar durch die Boston Consulting Gruppe. BCG ist wirklich überall,  man kann sagen global. Unfassbare Kompetenz, die sie jetzt auch der stark schwächelnden FDP zur Verfügung stellt. Die FAZ schreibt dazu:
"In einem eintägigen Strategieworkshop für das FDP-Präsidium hätten die Berater die Lage der Liberalen analysiert. Eines der Ergebnisse: Die Marke FDP sei noch erstaunlich intakt, die Inhalte müssten im Wesentlichen nicht geändert werden. Herausgekommen sei als neues Leitbild die «Partei, die Chancen ermöglicht», berichtet das Blatt. Dazu müsse die FDP selbst aus dem Jammertal heraus, so das Präsidium."
Ja sauber, das überzeugt wirklich. Eine Partei, die Möglichkeiten ermöglicht. So einen verbalen  Humbug hat man lang nicht mehr gehört. Das ist ungefähr so als wolle man einen Schimmel weiß schminken. Es scheint, FDP und BCG haben den Ehrgeiz, Begriffe aus dem alltäglichen Sprachgebrauch neu zu besetzen. Hier hat man sich nun den schönen Begriff “Möglichkeit” vorgenommen. Bezeichnet Möglichkeit doch einen Vorgang , einen Gegenstand, der möglich wird, gemacht wird. Folglich müssen Möglichkeiten nicht ermöglicht werden, weil sie es bereits sind.  Toll gemacht. Und für so Ergebnis, das sich vollmundig als Leitbild verkaufen will, sitzen Berater und Beratene wenigstens einen Tag zusammen? Haben die keine anderen Hobbys? Muss da nicht mal der Rasen gemäht werden oder der Kühlschrank nachgefüllt.
Das Schöne an Leitbildern bzw. deren Formulierung ist gerade die Unschärfe, das Ungefähre der Aussage. Damit kann man sich bedeutungssinnig in den Schlaf murmeln:" Möglichkeiten ermöglichen. Das heißt ja, wer die Chancen hat, macht sie möglich, wer die Möglichkeiten nicht hat, bekommt sie von der FDP, damit ihm was möglich wird. Die Möglichkeiten wachsen auf Bäumen, man muss nur sein Möglichstes bei der Chancenverwertung tun."
Spätestens nach 30 Minuten ist dann auch der härteste FDP-Leitbild-Murmler weggedämmert.



Dienstag, 29. Juli 2014

Tendenzbetrieb oder die Tendenz im Betrieb




Schon  mal etwas gehört von  'Tendenzbetrieben / -unternehmen' ? Nein? Hier ein kurzer Abstecher zu Wikipedia. Dort ist zu erfahren: Ein Tendenzbetrieb ist ein Betrieb, mit dem der Unternehmer nicht unbedingt oder nicht nur Geld verdienen will, sondern mit dem er ausschließlich bzw. zusätzlich andere Ziele verfolgt, nämlich die im Gesetz erwähnten politischen, erzieherischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Ziele (diese Aufzählung ist nicht vollständig)....
Hin und wieder liest man bei Unternehmern unter kirchlicher Trägerschaft, der Bewerber müsse die Gewähr bieten, dass er die Ziele und moralischen Vorstellungen der jeweiligen Kirche aktiv mitträgt. Beweis sei eine aktive Gemeindearbeit ersatzweise die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche.
Was sind noch Tendenzbetriebe? Parteien. Die haben ja angeblich auch ihre besonderen Weltanschauungen und Zielsetzungen. Und darauf pochen sie, die Parteien. So scheint es undenkbar Pressesprecher der SPD Fraktion zu sein,  wenn man das Parteibuch der NPD hat. (Nur so als Beispiel).
Was noch? Ach ja, Presseunternehmen. So sollten etwa gerade redaktionelle Mitarbeiter der im Springer Verlag erscheinenden Erzeugnisse gegen bestimmte, in der Springer-DNA festgelegte weltanschauliche Grundsätze und Meinungen nicht verstoßen.
Halten wir kurz fest: Es geht um  grundsätzliche Haltungen, die vom Mitarbeiter eingefordert werden und das unternehmerische Credo , nicht  'nur Geld verdienen' zu wollen. Schon auch, aber nicht sooo unbedingt. Man kann Axel Springer ja einiges vorwerfen, aber nicht, dass er als armer Mann von uns gegangen ist.  Axel Springer gilt ja als Erfinder der Bild-Zeitung. Im Verlag und auch in der Öffentlichkeit schreibt sich  BILD - anders als im Logo - stets in Großbuchstaben. Damit ganz klar ist, hier ist nicht das gemeint, was bei Omi über dem Vertiko hängt, sondern die Zeitung. BILD eben.
Und nun liest der Arbeitswillige in der Anzeige eines eHealth-Unternehmens, das einen Texter sucht, mitzubringen sei unter anderem:
"Online Affinität und Begeisterung für Literatur, Film, Humor und BILD"
Die Frage sei gestattet, ob man, wenn man sich für Literatur, die diesen Begriff verdient, begeistert, sich  gleichermaßen für die Bildzeitung erwärmen kann.  Das ist schon ein ziemlicher Spagat.
Viel  quälender ist allerdings die Frage, warum die Begeisterung für diese Boulevardzeitung  die Voraussetzung für ein gedeihliches Arbeitsverhältnis bei dem  Unternehmen  sein soll. Und  wie ließe sich eine derartige Begeisterung nachweisen? Durch auswendigen Vortrag der Schlagzeilen zurückliegender Ausgaben oder dem Vorhandensein eines E-Abos?
Eine dahingehende Mailanfrage des Arbeitswilligen an das zuständige Career-Center bleibt ohne Antwort.