Sonntag, 22. Februar 2015

Ehret die Headhunter



Der Herr Cornelius M. von der Firma Job L. sendet dem  Arbeitswilligen eine Mail:
"Sehr geehrter Herr Arbeitswilliger,
diesen Headhunter sollten Sie unbedingt kennen lernen, denn mit ihm verbindet Sie ein hohes Matching in Bezug auf Ihre Jobsuche."
Um den Namen des Headhunters zu erfahren, soll der Arbeitswillige eine Mitgliedschaft bei Job L. eingehen. Die schlägt monatlich mit mindestens 12 € zu Buche. Das kann man machen. Aber ist das der richtige Weg? Der Arbeitswillige schreibt also:

Sehr geehrter Herr M.,
haben Sie recht vielen Dank für die Information und das freundliche Angebot. Selbstverständlich würde ich einen derart kompetenten Headhunter gerne kennenlernen. Um Missverständnissen vorzubeugen - ich scheue nicht die monatliche Gebühr, die Sie aufrufen, damit  der Headhunter und ich zusammenkommen können. Mein Vorbehalt ist anders gelagert. Ich möchte den betreffenden Headhunter nicht in seiner Berufsehre kränken. Ich gehe davon aus, dass ein Headhunter - wenn man den 2.Teil der Berufsbezeichnung, Hunter=Jäger, ernst nimmt -  tiefe Befriedigung aus dem Prozess des Jagens an sich bezieht. Folglich der Pirsch, des Forschens, Anschleichens, des geduldigen Ansitzens. Natürlich spielt auch letztlich die Vergütung seiner Tätigkeit, seines Jagderfolgs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wenn ich nun meinerseits auf diesen Jägersmann zukäme, um mich ihm gewissermaßen als 'problemlose Jagdbeute' anzudienen, dann würde ich ihm das Vergnügen, das so ein Jagdthrill bietet, abschneiden. Ich fürchte, darauf reagierte der Headhunter unwillig. Das möchte ich unter keinen Umständen. Sie könnten dem Ihnen bekannten Headhunter jedoch einen kleinen Tipp geben. Etwa dergestalt, dass Sie ihm bei einem unverfänglichen Bier, die URL meiner Profilseite durchstecken. Dann hätte der Headhunter das Gefühl, von selbst auf meine Fährte gekommen zu sein. Ich bin sicher, der Headhunter wäre Ihnen sehr dankbar. Ich nebenbei ebenso.
Mit besten Grüßen



Nachtrag:

Der Herr Cornelius M. antwortet nicht. Jedenfalls nicht zum Thema.
Der Headhunter, den der Arbeitswillige zunächst kennen lernen sollte, war so qualifiziert.
4 Tage später empfiehlt Cornelius M.dem Arbeitswilligen einen weiteren Headhunter:

Wow, denkt sich der Arbeitswillige, wenn die JobL's bei 1 angefangen haben mit  dem Headhunterzählen, dann gibt es offenbar ganz schön viele Personen, die mit  Headhunten ihren Lebensunterhalt verdienen. Und noch etwas.  Falls der Abfall bei der Matchingquote von 91% auf 87% eine Tendenz beschreiben sollten, dann wäre man innerhalb von 40 Tagen bei einem weiteren Headhunter mit einer Matchingquote von gerade mal  47% und einiges später bei 0% gelandet.  Diesen Nullperformer würde der Arbeitswillige dann in der Tat gerne kontaktieren. Allein, um ihm von Mensch zu Mensch ein wenig Trost zu spenden. Matchingquoten sind ja unglaublich wichtig.

 





Freitag, 20. Februar 2015

Natives oder Eingeborene. Eine Annäherung im Sinne einer Pharmafirma.




Es wird mal Zeit, das ein oder andere Wort zu verlieren über den Terminus ' Native' , zu Deutsch 'Eingeborener'. Kennt noch jemand folgenden Gassenhauer?
Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts war dieser Schlager ein großer Erfolg. Gelegentlich diente er als Ersatznationalhymne etwa bei Sportveranstaltungen, weil  es  unmittelbar nach dem WKII noch keine offizielle Nationalhymne gab, die nationale Identität stiften helfen sollte. Erst mit Gründung der BRD sang und spielte man dann wieder das "Einigkeit und Recht und Freiheit."
Szenenwechsel. Der kleine aufgeweckte Sven-Thorben steht vor dem Kölner Dom. Angesichts der vielen hin- und hereilenden Menschen fragt er: "Papa, sind das alles Eingeborene? (aka 'Natives')"
Papa sagt: " Sven-Thorben, das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist der eine oder andere dabei, der aus Dortmund kommt oder vielleicht sogar aus Belgien."
Nochmal Szenenwechsel.  Auf einer Pauschalsafari in einem exotischen Land unterhalten Menschen in landesüblicher Kostümierung die Touristen mit Folkloristischem . Nun sagt der kleine, aufgeweckte Sven Thorben: " Das sind aber mal nette Eingeborene!" Der Vater nickt und bestätigt:"Ja, mein Sohn. Das sind nette Eingeborene."
Wir sehen, am problemlosesten ist von Eingeborenen / Natives zu sprechen, wenn man sicher sein kann, dass sie an einem bestimmten Ort geboren und aufgewachsen sind.
Seit längerem hat sich nun der Begriff 'Digital Native' etabliert. Der meint nicht, dass dieser Personenkreis mit Plus und Minus ernährt wurde, statt Muttermilch oder Babykost. Auch spielt die räumliche oder  nationale Abstammung hier eine untergeordnete Rolle, da Digitales tendenziell  global verstanden werden muss und will. Eher versucht der Terminus eine Generation zu beschreiben, die in eine Welt hineingeboren wurde, als der Siegeszug digitaler Technologien unumkehrbar erschien. Wie  schön und natürlich ist da die Annahme, dass dieser Personenkreis digitale Technologien sowie deren Verständnis gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen hat. Aber wann ist dieser Zeitkorridor anzusetzen?  Ab wann darf man sich als Digital Native bezeichnen? Vielleicht ab Mitte der 80er Jahre . Folglich sind die 'Digital Natives' heute so um die 30 Jahre alt. Digital Natives sind in der Arbeitswelt hochwillkommen. Allerdings reicht das nicht immer aus. Das Pharmaunternehmen Merck sucht  Mitarbeiter die unter anderem folgende Anforderungen erfüllen:
"·  Erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in relevanten Bereichen
·  Mehrjährige  Berufserfahrung, bevorzugt in einer Beratung / Agentur oder In-house
·  Social-Media-Native"
Ab welchem Geburtsjahr darf man nun von sich behaupten, man sei ein 'Social-Media-Native'?
Setzen wir die erfolgreiche Ausbaustufe der digitalen Welt hin zur Social-Media-Welt mit der Etablierung von Wikipedia (etwa 2001) oder doch erst mit dem Auftauchen von Facebook (um 2004). Wie auch immer. Der Konzern sucht offenbar Mitarbeiter, die heute zwischen 14 und 11 Jahren alt sind.
Pubertierende mit Hochschulabschluss? Wenn das mal gut geht.


Dienstag, 3. Februar 2015

Gender Studien mit erschütternden Resultaten




Der Arbeitswillige lebt nach dem Motto ' Ein gesunder Geist bevorzugt einen gesunden Körper'.
Und so sucht der Arbeitswillige regelmäßig eine Muckibude auf. Dort gibt es überwiegend ein junges Publikum, offenbar Studenten und Young Professionals. In der Überzahl junge Frauen so von Anfang / Mitte 20 bis  Mitte 30. In diesem  Tempel der Köperertüchtigung stehen  nebeneinander  15  Crosstrainer  in 2 Reihen hintereinander. Der  3. Crosstrainer von links in der 1.Reihe ist - na ja- ziemlich kaputt. Rein formal lässt er sich noch nutzen. Allerdings  sondert er dabei ein lautes Schleifgeräusch ab, das alle anderen Geräusche wie etwa das Tumbtumbtumb der Laufbänder deutlich  übertönt. Nebenbei  sind bei der Nutzung Vibrationen durchaus zu spüren. Der Arbeitswillige macht nun folgende verstörende Beobachtung. Besteigt ein junger Mann diesen fehlfunktionierenden Crosstrainer, braucht er etwa 15 bis 20 Sekunden, um zu bemerken: Moment da stimmt was nicht. Er untersucht die Sache, kommt zu dem Schluss, nee,  das lässt sich auf die Schnelle nicht beheben. Das liegt nicht an mir, sondern am Gerät.  Er zieht die Konsequenz und nimmt ein anderes Gerät. Gaaanz anders die jungen Frauen. Die ziehen das durch. Bleiben auf dem defekten Gerät. 20,30,40 Minuten  lang. Selbst wenn sie zur Rechten oder zur Linken mit einer Freundin plaudern wollen,  dies aber nicht können, weil das Gerät zu laut ist - sie bleiben dabei.
Laut der Datenerhebung des Arbeitswilligen hat in einem Beobachtungszeitraum von 10 Tagen nur eine Frau von 20 Fitnessfreundinnen das Gerät gleich zu Beginn verlassen und sich auf ein anderes  kapriziert. (Wohlgemerkt, stets gab es Alternativen durch freie Crosstrainer.) Der Arbeitswillige findet das bemerkenswert und macht sich auf die Pirsch nach den Ursachen dieses Phänomens. Probates Mittel hier: Stichprobenartige Befragung der jungen Frauen. Es kristallisierten sich 3 Antworttypen heraus. 1) Ich dachte, das müsste so sein. 2) Aber es geht doch. - Wo Sie das jetzt sagen kommt es mir auch komisch vor.3) Hab' ich gar nicht bemerkt. Antworttyp 3 liegt mit  5 Nennungen an der Spitze. Nun fragt es sich, ob hier nicht schlaglichthaft der Unterschied zwischen Frau und Mann konkret wird. Und lassen sich Muster erkennen über den Rand der Muckibude hinaus?
Nehmen wir doch einmal  die HR-Abteilungen der Unternehmen.  Eine Suche nach den Ansprechpartnerinnen bei LinkedIn, XING oder Facebook legt den Schluss nahe, dass  die Gruppe der etwa 24 bis 32 jährigen Frauen überproportional vertreten sind. Aus eben dieser Gruppe rekrutieren sich auch die oben beschriebenen Fitnessfreundinnen.  Lässt das Schlüsse zu? Ja und nein. Denn zugegebenermaßen ist das Datenmaterial, das der Arbeitswillige  gesammelt hat, nicht ausreichend für eine seriöse Studie. Aber ein Anfangsverdacht besteht schon.   

Samstag, 31. Januar 2015

Gewalt und Folter versus automatisierte Mailantworten



Es ist schon ein Kreuz mit den automatisierten Mailantworten. Da will der Arbeitswillige lediglich ein Detail  zu einer Bewerbung nachfragen oder gar seine Bewerbung zurückziehen, weil er/sie erkannt hat, dass das adressierte Unternehmen doch etwas mit Waffenschmuggel, Drogen oder - schlimmer noch - mit 'Irgendwasmitmedien' zu tun hat. Stets gibt es eine freundlich nichtsagende Mailantwort, die meist an der Fragestellung vorbei geht. Da können Arbeitswillige schreiben was sie wollen.
Etwa so.
Mail: In naher Zukunft werden Sie sich völlig überraschend in einer für Sie äußerst unangenehmen Situation wiederfinden. 28 Modelllokomotiven der Marke Märklin ( Maßstab H0)  werden Ihren schrundigen HR-Arsch in Ost /West Richtung zerren.
Die automatisierte Antwort liest sich:
" Gern gleichen wir Ihre Qualifikationen mit unserem Anforderungsprofil ab
und kommen bald auf Sie zu."
Oder man schreibt:  In wenigen Tagen wird Ihr völlig inkompetenter Chef aus mehreren Schnitt- und Schusswunden blutend,  sein Gedärm um den rechten Unterarm gewickelt  vor Ihrem Schreibtisch  erscheinen, um  sterbend noch ein letztes "Warum?" zu hauchen.
Mailantwort:
"vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an einer Mitarbeit in unserem Unternehmen. Bitte haben Sie etwas Geduld. Sobald wir neue Informationen haben, melden wir uns bei Ihnen."
Oder:
Es ist mir gelungen, einen Nuklearsprengkopf in meine Gewalt zu bringen. Damit beabsichtige ich, Sie und den Ort, an dem Sie Ihrer armseligen Beschäftigung  nachgehen, zu pulverisieren.
Antwort:
"vielen Dank für Ihre Bewerbungsunterlagen und dem damit gezeigtem Interesse an unserem Unternehmen."
Wir sehen, das System der automatisierten Antworten ist in der Regel nicht passgenau, bietet Raum für  Optimierung.