Dienstag, 23. Januar 2018

Mail Zauber

Eben flatterte eine kryptische Voodoo Mail in mein Postfach.
XING schreibt mir:
 
Jetzt öffnen für mehr Work Life Balance, Herr Strumpf.
 
Ich traue mich aber nicht. Denn wenn ich sie öffnete, liefe ich Gefahr, sofort mehr Work Live Balance zu haben. Kann ich aber nicht gebrauchen derzeit.
 

Dienstag, 7. November 2017

Die Golf-oder- Golf-Verwirrung



'Die libanesische Regierung werde als eine Regierung behandelt, „die Saudi-Arabien den Krieg erklärt“, sagte der Golfminister des Königreichs, Thamer al Sabhan, am Montag...'
So steht es in der Online-Ausgabe der FAZ vom 7.11.2017.
Die Quellenangabe: Reuters.
Wir lernen, dass Saudi Arabien einen Minister für den Sport mit dem kleinen Ball hat. Warum auch nicht.  Angesichts der Vielzahl der hochstehenden Persönlichkeiten , die in dem Königreich in Amt und Würden gebracht werden müssen, werden die wohl auch noch einen Falkenjagdminister  oder Kamelrennminister oder Rennkamelminister haben.  Eine hochstehende Person aus den USA  dürfte das auf Gedanken bringen. Golfminister, Deal.
Mag aber auch sein, da ist ein kleiner Lapsus passiert. Reuters, die renommierte Agentur hat in einem Basistext irgendetwas mit 'Gulf' geschrieben. Zu Deutsch in der Tat 'Golf'. Der saudische Minister ist also mehr oder weniger zuständig für die Golf-Region und trägt die Jobbezeichnung wohl auch im Titel. Und daraus machte die deutsche Übersetzung bei Reuters  eben Golfminister.  Kann man machen, wenn man keine Zeit zum nachdenken hat oder den Verführungen des 'Copy&Paste' erliegt.


Mittwoch, 13. September 2017

Der Duz-Kultur teilhaftig werden. Vielleicht später.




Ein Energieversorger meint es gut mit seinen Mitarbeitern. Damit lockt es Anwärter auf einen Job:
"Was uns vereint ist die Tatsache, dass wir hinter unseren Produkten stehen und uns für Nachhaltigkeit begeistern – das beginnt schon bei der Auswahl unserer Büromöbel. Wir pflegen eine Duz-Kultur ebenso wie flache Hierarchien. Bei uns treffen Sie auf offene Türen und Köpfe – von der Geschäftsführung bis zum Azubi."
Duz-Kultur. Was mag das sein? Auf jeden Fall scheint das mehr zu sein, als das allgemeine Herumduzen wem gegenüber auch immer. Schließlich wird die Kultur nur innerhalb des Unternehmens gelebt. Außenstehende - und so etwas ist man ja als Bewerber - werden gesiezt.
Diese feinen Hinweise gilt es selbstverständlich beim Verfassen einer Bewerbung zu berücksichtigen.
Also: Auf gar keinen Fall sollte der Bewerber (m/w) bereits im Anschreiben mit 'Du' herumkumpeln.
Denn zum 'Du' wird man erst, wenn man dabei ist. Bis dahin bleibt es beim 'Sie'. Klar?

Sonntag, 5. Februar 2017

Freiheit, die ich meine




Der Arbeitswillige glaubt zu wissen, dass Gefängniszellen in  den Justizvollzugsanstalten von den Bewohnern bis zu einem gewissen Grad, selbst gestaltet werden können.  Aha, das trägt sicherlich zu ein wenig  Wohlbefinden in einer sonst eher betrüblichen Gesamtsituation bei. Dennoch würden nur Zyniker von derartig gestalteten Zellen als Freiraum sprechen. Obwohl die vorgegebenen Räume ja gestaltet wurden.
Freiräume – und das ist ja das Schöne an ihnen – laden zur Gestaltung ein. Man kann also durchaus behaupten, es liege im Wesen, in der Bestimmung eines Freiraums, frei gestaltet zu werden. Sonst wäre er ja ein Teilzwangsraum. Ein Stromverkäufer hat dieses Thema wohl nicht mit der gebotenen Sorgfalt durchdacht und schreibt in seiner Talentumschmeichlungsanzeige:
„...denn bei uns arbeitest du in einem agilen, interdisziplinären Webentwicklungsteam, trägst dabei die Verantwortung für dein Tun und kannst deine Freiräume selbst gestalten.“
Na, das ist mal ein Angebot. Da möchten die Talente doch gleich aus der Haut fahren vor Glück. Da gibt es doch offenbar niemanden der sagt: Mein Lieber, hier ist Dein Freiraum. Den musst Du aber in Yellow streichen. Hier sehen alle Freiräume so aus. Nein, man darf auch eine  andere Farbe wählen. Hauptsache Gelb.

Dienstag, 30. August 2016

Jugendafine Jobannoncen.




• Du bist flexibel und wechselnde Arbeitszeiten sind keine Herausforderung für Dich
• Du bist kein Hater
So steht es unter anderem im Anforderungskatalog der Firma St. Zu vergeben ist ein Studentenjob. Der- oder diejenige soll kurze Videoclips aus Agenturmaterial zusammenfrickeln, mit einem Text versehen und zur Veröffentlichung bringen. Aufgeweckte Studierende dürfen sich angesprochen fühlen – ausgenommen sind Hater. Was ein Hater ist, weiß Wikipedia:
‚Jeder Hater ist im Grunde seines Herzens ein Troll. Als Troll bezeichnet man allgemein alle Benutzer, die Kommentare, Videos oder Spams mit dem einzigen Ziel erstellen, andere Nutzer zu verwirren oder zu verärgern und (meist negative) Reaktionen hervorzurufen. Erstaunlich viele Internet-Nutzer halten das für eine besonders feine Art des Humor.‘ (Aha. Was ebenfalls zu lernen ist: Wikipedia hat Schwierigkeiten mit dem Genitiv.)
Für negativ gestimmte Personen mit destruktivem Humor ist bei St. kein Platz.

Sonntag, 19. Juni 2016

Mit Fremdworten punkten




Neulich verhedderte sich beim Versuch mit dem Fahrrad von der Muckibude aus  zu starten  der Sporttaschenriemen des Arbeitswilligen  im Lenker eines anderen Fahrrads. Es kam zu unvorteilhaften Verknotungen. Der Arbeitswillige  benötigte eine kleine Weile, um die Gemengelage aus schwindender Balance, verkeilten Fahrradgestellen und den Gesetzen der Schwerkraft  in seinem Sinne wieder aufzudröseln. Nur drei Schritte vom Ort des Geschehens widmeten sich zwei baseballbekappte Endteens ihren Smartphones, ohne  dem Arbeitswilligen in seiner leicht misslichen Situation zur Hilfe zu kommen.  Der Arbeitswillige wandte sich mit einem fröhlichen „Vielen Dank für Eure Hilfe“ an die Jungmänner.  Der eine antwortete:“ Wobei hätten wir helfen sollen?“
Der Arbeitswillige: „Vergiss es, schon vorbei.“
Der Eine: „Ja,ja, die Jugend von heute.“
Darauf der Arbeitswillige: „ Es geht nicht um die Jugend von heute, sondern um den Unterschied zwischen Aufmerksamkeit, Was- In-Der- Birne-Haben und solipsistischer Dumpfheit.“
Sprachs und radelte davon. Offenbar war den Jungmannen die Kombination von solipsistisch mit Dumpfheit nicht bekannt. So erkannten sie  nicht sofort die leicht herabsetzende  Aussage des Arbeitswilligen als unmittelbar zu ahnende Beleidigung. Vielleicht mussten sie ‚solipsistisch‘ erst googeln.
 


Mittwoch, 1. Juni 2016

Empathie ist eine schöne Sache



'Wir haben eine traurige Nachricht für Sie'. So oder ähnlich schreiben es die Drehbuchautoren den Schauspielern ins Skript, wenn es darum geht, Hinterbliebenen beizubringen, ihr Liebstes, sei leider, leider zu Tode gekommen. In britischen Krimis wird dann in der Regel Tee zubereitet. Bei anderen reicht ein bequemer Stuhl und ein Glas Wasser. Das Überbringen niederschmetternder Nachrichten ist nicht einfach. Es wühlt auf. Vielleicht erzeugt es auch hin und wieder einen Psychoknacks. Das darf man nicht unterschätzen. Auch die Überbringer der Nachrichten bedürfen innerer Aufrichtung. Denn leicht ist es nicht, gebührende Anteilnahme zu signalisieren.
Auch Absagen gehören in die Kategorie der äußerst beklemmenden Botschaften.
Diese Nachricht ereilte den Arbeitswilligen unvermutet beim Öffnen seines elektronischen Postfachs.

"Sehr geehrter Herr Arbeitswilliger,
täglich treffen wir viele Entscheidungen – auch solche, die uns weder leicht fallen noch
angenehm sind: Ihnen heute abzusagen gehört dazu.
Nach sorgfältiger Prüfung aller uns vorliegender Bewerbungsunterlagen konnten wir Sie leider nicht
in den engsten Kreis der Bewerber einbeziehen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass oft nur
Details bei der Besetzung einer Position entscheiden. Für Ihre Bemühungen, die Sie in Ihre Bewerbung investiert haben und insbesondere für das unserem Unternehmen entgegengebrachte Vertrauen, danken wir Ihnen herzlich.
 Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute."

Da ist jemand offenbar sehr, sehr traurig. Das Notwendige zu tun, ist eben nicht immer freudevoll.
Der Arbeitswillige hält es für seine Menschenpflicht, der an ihren unschönen Pflichten Verzweifelnden ein wenig Trost zu spenden. So schreibt er:

' Sehr geehrte Frau K.,
vielen Dank für die Information. Und grämen Sie sich nicht allzu sehr, weil Sie mir absagen mussten.'

Ob es wohl geholfen hat? Frau K. reagiert nicht. Vielleicht auch deshalb, weil sie Wasserglas auf Wasserglas leert.