Donnerstag, 16. August 2018

Der K(r)ampf um die Alleinstellungsmerkmale Teil 2.



Es scheint wirklich etwas dran zu sein an der Behauptung, dass Arbeitgeber sich etwas einfallen lassen müssen, um Mitarbeiter in ihre Arbeitswelten locken zu können. Da gilt es, sich zu schmücken, jedwedes kleine Detail vorteilhaft ins Licht zu rücken. In einem jüngeren, kurzen Text (‚Mitarbeiter gewinnen und motivieren‘) war dieses Alleinstellungsmerkmal ein Frozen-Joghurt-Laden direkt gegenüber. Das scheint der neue ‚Heiße Scheiß‘ bei den Alleinstellungsmerkmalen zu sein: Umstände oder Gegebenheiten, die das suchende Unternehmen nicht zu verantworten hat – anders als die betriebseigene Tischtennisplatte oder eine Club Mate Flatrate. Nein, da schmückt man sich gerne mit fremden Federn. So auch bei S. Media (Quelle Stepstone): 

Was wir bieten
Unser Büro mit Dachterrasse liegt am A. Weiher, direkt neben dem Stadtpark am R.-Kanal. Dieser und eine(sic) mobile Espressobarladen(Verb fehlt) mittags zum Spaziergang mit Kaffee-Genuss ein.

Dieser Espressobarladen ist ein Vehikel, von dessen Ladefläche um die Mittagszeit Heißgetränke und Schnökereien an die ermatteten Büroarbeiter der umliegenden Unternehmen verkauft werden. Dieser ‚Laden‘ ist die alleinige Initiative eines findigen Kleinunternehmers. Das suchende Unternehmen hat rein gar nichts damit zu tun.
Wenn das so weitergeht mit der Jagd nach den verlockenden Alleinstellungsmerkmalen ist es nicht mehr lang hin bis zu dem Hinweis, dass (auch) über dem Gebäude, in dem sich der Arbeitsplatz befindet, täglich die Sonne aufgeht. Manchmal ist sie aber nicht zu sehen etwa aus Gründen der Bewölkung. Dieser Fakt würde dann allerdings verschwiegen, da nicht imagefördernd.


Aber jetzt genug der Häme. Es ist ja das Gebot der Stunde für Unternehmen, Alleinstellungsmerkmale –  selbst wenn sie eigenleistungslos sind – herauszuarbeiten. Hier schlägt der Arbeitssuchende gerne die ein oder andere Formulierung vor, die in künftigen Jobannoncen verwendet werden dürfen:



-          Unsere Raumluft ist vegan.
-          Bei uns dürft Ihr Euer eigenes Toilettenpapier mitbringen.
-          Unser Büromobiliar ist parcoursfähig.
-          Unsere Bürofenster sind 24/7 durchsichtig.
-          Das Betriebsklima hat einen positiven ökologischen Footprint.
-          Die Beleuchtung ist nachhaltig.

Für weitere Anregungen ist nicht nur der Arbeitssuchende dankbar.

 


Freitag, 3. August 2018

Die Anforderungen wachsen.Oder: Augen auf bei der Berufswahl

Ein namhafter Privatsender sucht Reporter. Die Jobbeschreibung (Auszug).

Firma:
infoXY
Beginn:
ab sofort oder später
Befristung:
2 Jahre
Umfang:
Vollzeit
Arbeitsort:
Rheinische Großstadt

Diese Aufgaben warten auf Sie:
  • Eigenverantwortliches Umsetzen von längeren Magazinbeiträgen (Recherche, Konzeption, Dreh, Texten, Schnitt)
  • Einsatz als On-Air-Reporter teilweise auch im Selbstversuch
  • Eigenständiges Organisieren von Dreharbeiten sowie deren effiziente Umsetzung
  • Selbstständiges Erle...
Da bleibt nur zu hoffen, dass die Redaktion nicht auf die Idee kommt, Zyankali oder Abführmittel zum Thema zu machen. Aber der Job ist ja eh nur befristet. Die risikoreichen Themen kommen dann gegen Ende.

Dienstag, 31. Juli 2018

Mitarbeiter gewinnen und motivieren

Die PR-Agentur xyz in Sankt Augustin /Berlin lockt mit folgendem Angebot:

'Langjährige Kundenbeziehungen, die es erlauben, Themen nachhaltig zu entwickeln
Ein Büro in zentraler Lage mit sehr guter Verkehrsanbindung
Einen Frozen Joghurt-Laden direkt gegenüber ' 


Wow. Frozen Joghurt. Direkt gegenüber. Das wollte der Arbeitswillige schon immer. Wer nicht? Aber zunächst wäre noch zu klären: Hat der Laden 24/7 geöffnet? Muss der Arbeitswillige, um dorthin zu gelangen (gegenüber), eine Straße überqueren. Falls ja, haben die für eine Fußgängerampel oder einen Zebrastreifen gesorgt? Schließlich ist man als PR-Schaffender immer so in Gedanken.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Angela sagt gut und gerne



Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Diese Wahlkampfparole hat  Angela Merkel auch live ab und an leicht variiert. Das wird ihr nun von denjenigen vorgehalten, die der Meinung sind, na, schaut euch doch mal um. Nee, es gibt keinen Grund hier behaupten zu wollen, das Land sei wie geschaffen für ein Leben voller Wohlgefühl. Merkel sei ne alte Märchentante ohne Realitätssicht. Moment. Das hat sie auch nicht gesagt oder sagen lassen. Sie hat gesagt: gut und gerne.
Im normalen Sprachgebrauch wird die Paarung 'gut und gerne' auch anders verwendet. Da sagt etwa ein Jägersmann, der auf einen Keiler geschossen hat- und verfehlt- " Das waren gut und gerne 200 Meter". Was uns der Waidmann damit sagen will: "Das waren ungefähr 200 Meter."
So, und nun übersetzen wir neu: Für ein Deutschland, in dem wir 'ungefähr' leben, oder 'in etwa' leben. Das ist die Wahrheit hinter der Gardine. Das hat sie gesagt oder sagen lassen. So unrecht hat sie damit nicht.

Freitag, 2. Februar 2018

Da braut sich was zusammen




Eine Kölner Agentur sucht einen Texter/Konzeptioner.  Was dieser Job mit dem Neueinzustellenden macht, darüber wird bereitwillig Auskunft gegeben.
Konzeptioner – ein Traumjob, aber nichts für Träumer. Vielmehr braut es einen wachsamen Geist, keine Angst vor dem leeren Blatt .....
Der Interessierte (w/m) erfährt, dass das Job (um nicht zu sagen: Der Job) eine Art Braukessel ist, indem sich - wie beim Brauvorgang wohl üblich - durch das Hinzufügen von Flüssigkeit, weiteren Zutaten und Hitze schließlich ein wachsamer Geist einstellt. Und ein wachsamer Geist hat dann (späterhin) auch keine Angst vor dem leeren Blatt. Ach ja. Das leere Blatt. Wer hätte nicht bisweilen Angst davor. Die Gazetten sind ja voll von Berichten, wie leere Blätter harmlose Passanten angreifen. Wer will das leeren Blättern auch verübeln. Befinden sich diese Überbleibsel aus einer alten, analogen Welt doch in einem verzweifelten Rückzugskampf. Diesen finsteren Gesellen mannhaft zu begegnen, darum geht es. Traumsusen kriegen da keine Schnitte.

Dienstag, 23. Januar 2018

Mail Zauber

Eben flatterte eine kryptische Voodoo Mail in mein Postfach.
XING schreibt mir:
 
Jetzt öffnen für mehr Work Life Balance, Herr Strumpf.
 
Ich traue mich aber nicht. Denn wenn ich sie öffnete, liefe ich Gefahr, sofort mehr Work Live Balance zu haben. Kann ich aber nicht gebrauchen derzeit.
 

Dienstag, 7. November 2017

Die Golf-oder- Golf-Verwirrung



'Die libanesische Regierung werde als eine Regierung behandelt, „die Saudi-Arabien den Krieg erklärt“, sagte der Golfminister des Königreichs, Thamer al Sabhan, am Montag...'
So steht es in der Online-Ausgabe der FAZ vom 7.11.2017.
Die Quellenangabe: Reuters.
Wir lernen, dass Saudi Arabien einen Minister für den Sport mit dem kleinen Ball hat. Warum auch nicht.  Angesichts der Vielzahl der hochstehenden Persönlichkeiten , die in dem Königreich in Amt und Würden gebracht werden müssen, werden die wohl auch noch einen Falkenjagdminister  oder Kamelrennminister oder Rennkamelminister haben.  Eine hochstehende Person aus den USA  dürfte das auf Gedanken bringen. Golfminister, Deal.
Mag aber auch sein, da ist ein kleiner Lapsus passiert. Reuters, die renommierte Agentur hat in einem Basistext irgendetwas mit 'Gulf' geschrieben. Zu Deutsch in der Tat 'Golf'. Der saudische Minister ist also mehr oder weniger zuständig für die Golf-Region und trägt die Jobbezeichnung wohl auch im Titel. Und daraus machte die deutsche Übersetzung bei Reuters  eben Golfminister.  Kann man machen, wenn man keine Zeit zum nachdenken hat oder den Verführungen des 'Copy&Paste' erliegt.