Samstag, 18. Juni 2022

Gleiches Recht für Sommer und Winter



Derzeit läuft in eilender Vorausahnung über den armen Befüllungsstand der Gasspeicher Deutschlands ein Unterbietungswettbewerb. Es heißt, der Gesetzgeber möge dafür sorgen, dass auch Wohnungs-Zimmertemperaturen von weniger als 20 Grad statthaft seien. 16 Grad wurden bereits in die Diskussion geworfen. Denn der Vermieter habe dafür zu sorgen, dass die gesetzlich definierte Temperatur, bei deren Unterschreitung nicht Mieterbund und Kadi eingeschaltet werden, den Bewohnern des Mietobjekts tatsächlich angeboten werden kann.
Wie vieles bei gesetzgeberischen Planungen kommt dieser an sich schätzenswerte Vorschlag zu spät. Weniger als 20 Grad in Innenräumen, das käme mir derzeit gerade recht. Heute früh um 8 außen 25 Grad, innen 24. Die Nächte sind schwül (im konkreten Sinne), der Schlaf beschwert, die Atmung flach. Und die Temperaturen steigen. Hier bitte schön sollte der Gesetzgeber mal einschreiten. Gleiches Recht auf menschengerechte Temperaturen. Gleiches Recht für/im Sommer und Winter. Wo sind wir denn hier?

Donnerstag, 9. Juni 2022

Psychologie und Wirtschaft. Eine Kurzanleitung zu Mentalitätsfragen

 

Allenthalben regiert Enttäuschung und Frust darüber, dass multinationale Ölkonzerne und Sprithersteller die Steuererleichterungen nicht an die tankende Kundschaft weitergeben. Das Vorhaben war naiv. Denn war es jemals anders? Man reicht solchen Konzernen die Hand, sie nehmen diese auch und behalten sie. So ist eben deren Mentalität. Die muss man berücksichtigen und nutzen. Jetzt mal anders. Vor Jahren machte dieser europäische Politiker, der während eines Besuches beim Scheich eine Erfahrung. Einfach um mal nett und plaudativ zu sein sagte er: Ihr habt aber schöne Kamele. Nun fühlt sich der Scheich verpflichtet und antwortete: Mein Freund, suche Dir eines aus. Ich schenke es Dir. Das ist eben seine Mentalität.  Der Politiker hat  zwar ein Kamel aber auch ein Problem: Was tun mit dem Kamel? (Augen auf beim Loben. Hätte er mal die Pferde…. wegen seiner reitbegeisterten Tochter ) Ähnlich soll es jemandem ergangen sein, der die Sammlung exklusiver Scheich-Sportwagen lobte. Mentalität des Gastgebers verhalf dem Lobenden zu einem neuen oder klassischen Sportwagen. Man sagt den Deutschen ja nach, sie seien eher schroff, penibel und steuerten die Hacken zusammenschlagend und humorfrei auf das Verhandlungsziel los. Ohne Rücksicht auf Mentalitätsdispositionen.

So, jetzt aber angewandte Energiepolitik. Der Robertminister z.B. besucht die Scheichs wiederum und sagt: Ihr habt aber schönes Öl.  Das muss er aber taktisch klug und wie nebenbei sagen, damit die sich nicht brüskiert fühlen. Nur dann greift wieder deren Mentalität. Sie können nicht anders als zu sagen: Mein Freund. Ja das Öl. Nimm Dir so viel Du willst. Der Minister kommt zurück in seine Heimat, verkauft das Geschenk  mit einem klitzekleinen Aufschlag, der bei ihm verbleibt, wird als Held gefeiert und als Problemlöser zum Präsidenten gewählt. Leute, so geht Wirtschaft. Mentalitäten richtig und geschickt nutzen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

(Das Motivbild ist ein Ausschnitt aus dem Gemälde mit dem Titel 'Tom Waits' von Claire Mesnil www.clairemesnil.info)

Dienstag, 7. Juni 2022

Ein Grabmal für einen Penis? Ein Missverständnis.

 


Begriffe im Wandel von Ort und Zeit. Lokales vs. Globalisierung

Wanderer kommst du nach Köln und schlenderst über den wunderschönen Melatenfriedhof, so kann es geschehen, dass du vor einer  bestimmten Familiengruft ins Grübeln kommst. In zierlichen Lettern ist die als Grabstätte der Familie ‚King Size Dick‘ ausgewiesen. Dick das doch mittlerweile auch für Leser deutscher Zunge umgangssprachlich so viel bedeutet wie Schwanz oder hochsprachlich Penis. Nebenbei im Familiengrab finden sich auch weibliche Personen. Erste Vermutung: Hier  hat sich ein Pornodarsteller mit dem Alleinstellungsmerkmal sehr großer Penis öffentlich ein Denkmal gesetzt. Oder ein Zuhälter? Wie kann das sein einer traditionell katholischen Stadt? Ist das mit Zustimmung der Verwaltung und des Grünflächenamtes geschehen?

Ein Erklärungsversuch. King Size Dick ist der Künstlername eines in Köln weltberühmten Unterhaltungssängers, der seine Lieder gern in kölscher Mundart darbietet. Lokalkolorit eben. Und im Kölschen soll ‚Dick‘ - nicht eben brüllend originell - wohlwollend foppend eine überaus beleibte Person bezeichnen. Jener Dick lebt übrigens noch. Offenbar steht für den Künstler hier der lokale Referenzraum an Prio1 und nicht irgendwelchen  überregionalen, internationale Gepflogenheiten. Das ist ehrenwert für einen originär Kölner aber mitunter verwirrend. Schließlich darf die Familiengruft als Beispiel dienen, dass Namen, Begriffe hin und wieder ihre Bedeutung verlieren oder ersetzt bekommen. Wir erinnern uns. Vor einigen Jahren noch las man in der Anforderungsliste in Jobannoncen häufig, Kandidaten sollten ‚Querdenker‘ sein. Und heutzutage?  Man sieht, die Umwertungen machen keine Pause. Fälle gibt es zuhauf.

Montag, 30. Mai 2022

Kühe lieben und werden geliebt

 

Werbeplakate informieren über Dinge, die man so noch nicht wusste. ‚Köln liebt Kühe‘ weiß der Lieferdienst Gorillas. Und wirklich. Wer konnte in Köln noch nicht beobachten, dass, wenn sich so eine Kuh auf Straßenbahnschienen niedergelassen hat, der Fahrer vorsichtig abbremst und geduldig wartet, bis das Tier geruht, sich wieder zu trollen. Da wird nicht geflucht, geprügelt oder gehupt. Ein ähnliches 


Bild bei vielbefahrenen Kreuzungen. Kühe werden selbst in Elektronikabteilungen der Kaufhäuser zuvorkommend beraten und bedient. Das ist Alltag in der Domstadt. Die Fahrer von Gorillas wissen das, weil sie ständig in der Stadt unterwegs sind. So viel Rücksicht und tätige Liebe zahlt sich aus. Weiter heißt es auf dem Plakat: ‚Und Kühe lieben Köln:‘. Das ist folgerichtig. Zudem scheint ‚Gorillas‘ einen dementsprechenden Kuhzensus durchgeführt zu haben. Nun aber  gibt es einen Bruch in der Argumentationskette. ‚Ihr bestellt 50% mehr Hafermilch als Kuhmilch‘. Aufmerksame Plakatleser werden sich die Frage stellen: Falls der Trend zu Hafer-statt Kuhmilch anhält, die Kuhmilch eventuell zu vielleicht 80% durch Ersatzflüssigkeiten kompensiert wird. Was geschieht dann mit den Kühen?

In Deutschland gibt es derzeit etwa 380Tsd. Milchkühe. Topperformer unter ihnen produzieren ungefähr 10.000 Liter Milch p.a. . Selbst bei einer Substitutionsquote von 50% werden sehr viele von ihnen arbeitslos, ja überflüssig. Wenn sich das in der Kuhcommunity herumspricht, dann ist aber Schluss mit Liebe. Zudem: Wer bereits miterleben durfte, mit welcher disziplinierten  Freundlichkeit Kühe die weitgehend automatisierten Melkanlagen betreten, wird zu der Einschätzung gelangen, dass Milchkühe es durchaus als angenehm empfinden, beim Melken von der Milchlast im Euter befreit zu werden. Wie so oft muss man auch hier die Problematik vom Ende her betrachten. Also,  liebe Hafermilchtrinker, bedenkt das.

PS. Der Verfasser ist sämtlichen Milchvarianten gegenüber unverdächtig neutral. Er mag weder Kuh- noch Hafer-, noch Sojamilch.