Freitag, 15. Oktober 2021

Glücklich ist, wer vergisst


 

Anfang dieser Woche ging eine Diskussion durch die Gemeinde. Es ging um Kardinal Woelki und seinen vorübergehenden Rückzug in die Meditation. In einer Randnotiz wurde erwähnt, dass er seine Bezüge von ca. 13.000€ monatlich weiter erhält. Die ersten Reaktionen (Forum Spiegel) ließen nicht lang auf sich warten: Ich trete aus. Meine Kirchensteuer bekommt dieser Lauch nicht usw. Dann kam der erste Hinweis, dass Woelki sein Salär mitnichten aus dem Kirchensteueraufkommen erhält- das finanziert allenfalls die unteren Ränge wie Pfarrer. Die Höteren bekommens vom Staat, folglich von jedem Steuerzahler, egal ob Atheist, Islamist (was ja ziemlich schräg ist), Agnostiker etc… Diese Erkenntnis tröpfelte bei den Foristen (Spiegel) langsam ins Bewußtsein und löste Verstörung und Wut aus. Übrigens gilt diese putzige Regelung bereits seit 1803. (Auch hier gilt wieder das WDR 4 Motto: Schönes bleibt.) Sie kennen doch den alten Gassenhauer: Glühücklich ihiist, weher vergiisst... ? Offenbar kennt den auch Saturn. Man schreibt mir:

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Ich denke, die meisten von uns kennen diese ‚Münzlos Glücklich Automaten‘ aus unseren Bankfilialen. Die machen sogar noch glücklicher, weil sie nicht 10% abziehen.

 

Samstag, 9. Oktober 2021

Gendersprache Problemlösung

 

Bei allen derzeit vorliegenden Usancen zur gendergerechten Sprache –   binnen I, Doppelpunkt etc.- fällt eine Gruppe durch das Raster. Das sind Menschen, die in Stellenannoncen (m,w,d ) unter  D = Divers subsumiert werden. Das ist nicht  in Ordnung. Hier müssen wir noch einmal ran und hart überlegen. Ein Vorschlag: Wir greifen zurück auf das gute alte Latein mit seinen Geschlechtsendungen us (=m), a (=w) um (= neutrum). Sollten Divers nicht einverstanden sein, als Neutrum qualifiziert zu werden, empfiehlt sich die Endung ‚ di (=divers). Darüber sollten die entsprechenden Interessengruppen entscheiden. Geschlechtsartikel (der,die das) entfallen. Somit würde es künftig heißen: Statt ‚Der Arzt‘ ‚Arztummusa‘. Im Plural wäre ein simples ‚S‘ anzufügen also Artzummusas. Das liest sich nett und lässt sich flotter sprechen als ÄrzT:Innen. Die Lateinischen Endungen ebenfalls in den Plural zu setzen ( =i,ae,a) ist extrem fehleranfällig und schwer zu sprechen. Lediglich in selteneren Fällen, bei der ein Substantiv auf einem Vokal endet, wird die deutsche Variante eingesetzt. Beispiel: Der Tesla wird zu ‚Tesladiweima‘. Falls ein Artikel etwa aus Gründen des Versmaßes benötigt wird, reicht etwa ein geschlechtlich unverdächtiges ‚Yo‘ (wie in Yo,brother).  Und nun zur Praxis. Nehmen wir die ersten Zeilen von Schillers höchst maskulinem Reiterlied.

Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!

Ins Feld, in die Freiheit gezogen!

Im Felde, da ist der Mann noch was wert,

Da wird das Herz noch gewogen.


Lautet nunmehr

Wohlauf, Kameradummussas, aufs Pferdummussa,

aufs Pferdummussa !

Ins Feld, in yo Freiheitummussa gezogen!

Im Felde, da ist yo Mannummussa noch was wert,

Da wird yo Herz noch gewogen.

Es wird ein wenig dauern, bis sich der Neusprachgebrauch eingeschliffen hat. Hier ist auf bewusste Eltern und Kitaerziehung zu setzen.

 

 

 

 

Mittwoch, 22. September 2021

Über den Niedergang menschlicher Intelligenz

 

In jüngster Zeit mehren sich Meldungen und Untersuchungen, die nachzuweisen sich bemühen, dass die menschliche Intelligenz – zumindest in entwickelten Ländern - im Abnehmen begriffen sei. Das erstaunt. Haben doch Untersuchungen  seit Anbeginn derartiger Erhebungen das Gegenteil vermuten lassen: Die Kurve der Intelligenz zeige stetig nach oben.  Darin bestand Konsens. Und nun die Desillusionierung? Eine These zur Erklärung des  unangenehmen Phänomens lautet, es liege wohl an den verfeinerten Messmethoden.

Ich halte dem entgegen: Es liegt an der Entwicklung und der allgemeinen Verbreitung der Bewegtbildmedien. Hier sind explizit nicht die Inhalte derartiger Medien gemeint. Ich behaupte, dass es  unserem Intelligenzzentralorgan, dem Gehirn schlicht an Training und Stimulanz fehlt.

Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Zeiten des SchwarzWeiß-Fernsehens. Oft waren Bild und Ton verrauscht, unscharf bzw. kaum zu verstehen. In dieser Situation leistete das Hirn schier Unglaubliches. Es ergänzte die fehlenden Informationen dergestalt,  dass selbst bei unvollkommenster Wiedergabe der Effekt einer realitätsgetreuen geschaffen wurde. Unser Gehirn ‚dachte‘ sich Farbe hinzu, formte verschwommene Gestalten zu Abbildern realer oder fiktionaler Figuren. Dann trat das Farbfernsehen auf den Plan. Die Farbqualität war beklagenswert. Die Bildauflösung ebenso. Dennoch griff auch hier unser Gehirn wohltätig ein und verbesserte den Gesamteindruck. Wieder eine bemerkenswerte Leistung. Heute nun erleben wir eine Bild- und Tonqualität, die fast schon ‚überreal‘  erscheinen mag. Da bleibt für unser Hirn wenig zu tun. Es verfällt aufgrund mangelnder Stimulanz in Bequemlichkeit. Und Bequemlichkeit ist der Feind jeglicher Positiventwicklung. (Ein analoger Prozess kann auch für die Computerwelt angenommen werden. Waren es ehedem grobpixelige Monster, die Gamer etwa in Verzückung setzten, sind es heute hochauflösende, detailreiche Szenarien und Darstellungen.)

All das trägt zu einer Gehirnträgheit und somit zu einer Abnahme der Intelligenz bei. Lässt sich die Entwicklung aufhalten?

Ein abschließendes Wort des Trostes von dem großartigen Dichter Robert Musil: „ Das Vollkommene erfüllt uns mit Ehrfurcht. Das Unvollkommene aber lieben wir.“