Dienstag, 15. Oktober 2019

An alle Geschlechter! Auch an die, von denen wir heute noch gar nichts wissen.




Jobtitel (m/w/d) oder auch (m/w/x). So liest man es heutzutage landauf landab in Stellenannoncen und anderswo. Das ist gut so, denn niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Allerdings gibt es subtile Versuche darauf hinzuweisen welches Geschlecht, vom Jobanbieter bevorzugt wird. Da heißt es dann etwa ‚Friseurin (w/m/d)‘. Oder ein Opernchor sucht einen Bass-Bariton (m/w/d). Warum nicht?
In verflossenen Zeiten war man noch nicht so weit mit der Gendergerechtigkeit. Wer hier nach Hinweisen sucht, möge die Augen aufsperren und sich historische Grabsteine genauer betrachten. Damals war es durchaus üblich, Ehefrauen ihren Ehemännern zuzueignen, ihnen zunächst den eigenen Vornamen und somit die eigene Identität selbst nach dem Ableben vorzuenthalten.


Ein derartiges Grabmonument ist kein Einzelfall - zumindest auf dem Kölner Melaten Friedhof. Auffällig: Die meisten Patriarchen, die sich derartige Monumente setzten, sind Juristen. Als mögliche Erklärung hierfür mag angeführt werden, dass Juristen von Haus aus ein feines Gespür für Eigentums- und Besitzverhältnisse mitbringen.
Machen wir einen Sprung in Richtung Gegenwart, in eine Zeit allerdings, in der das ‚m/w/d‘ mit all seinen Implikationen noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen war. Dennoch zeugt der Text auf der Anzeige von dem Bemühen, niemanden außen vor zu lassen, niemanden auszugrenzen.



Offensichtlich prangt die Anzeige schon einige Jahrzehnte über der Werkstatt. Heute hieße es wohl:
‚Schneiderei für Änderungswillige M/W/D‘

Sonntag, 22. September 2019

Ende einer Dienstfahrt (Heirich Böll 1966) Vers. 4.0



Der Literaturfreund (m/w/d) erinnert sich vielleicht an die Erzählung ‚Ende einer Dienstfahrt‘ von Heinrich Böll (1966). Seinerzeit waren Freizeit und Dienstzeit noch klarer voneinander getrennt als derzeit: Heute geraten die Abgrenzungen zwischen beiden Lebensbereichen zunehmend in Verwehung. Es wird Zeit für eine Neuerzählung, eine Version 4.0, Rezipienten freundlich - weil zeitsparend - komprimiert in einem einzigen Bild. Der Nutzer des u.a. E-Scooters hat vieles richtig gemacht im Sinne klimaschonenden Verhaltens. Nutzte M/W/D doch ein als Meilenstein der klimafreundlichen Verkehrswende - gerade für den geschäfltichen Personentransport - propagiertes Gefährt.Punktabzug gibt es leider für folgendes Fehlverhalten: Einmal verletzt der Fahrer (m/w/d) durch unachtsames Abstellen wertvolles Grün und verbraucht zudem den zur Verfügung stehenden öffentlichen Raum. Schwerer noch wiegt, dass die Alu-Getränkedose nicht dem Recycling-System zugeführt wurde.










Apropos Dienstfahrt. Die Älteren werden sich zurückbesinnen. Als Böll seine Erzählung verfasste, endeten Dienst- und andere Fahrten, zumal die, die längere Strecken über Landstraßen und Autobahnen führten, damit, dass Frontscheiben, Stoßstangen und Kühler der Fahrzeuge von zerplatzten Insektenleichen zu säubern waren. Heute hingegen finden sich selbst nach längeren Fahrten durch unterschiedliche Landschaften kaum noch diese unästhetischen Hinterlassenschaften. Man mag das als Fortschritt sehen. Ein Erklärungsversuch dieses Phänomens: Im Zuge der fortwährenden Evolution haben Insekten gelernt, Straßen zu meiden und/oder eine gewisse Mindestflughöhe nicht zu unterschreiten. Dieser Ansatz darf in Zweifeln gezogen werden. Es ist wohl eher so, dass es immer weniger Insekten gibt, die an Stoßstangen und Frontscheiben zerplatzen könnten. Warum? Ein Hinweis: Es liegt nicht an Böll.

Samstag, 21. September 2019

Höchst verstörende Aufforderungen


Als KFZ-Fernreisender – ob beruflich veranlasst oder aus reinem Vergnügen – kommt man hin und wieder in die Situation, ein Bedürfnis um des persönlichen Wohlbefindens wegen und aus Schicklichkeit an geeigneter, allgemein akzeptierter Stelle zu befriedigen. An Autobahnen finden sich hierzu Raststätten mit einem kostenpflichtigen Angebot. Für die Nutzungsgebühr der Sanitärinstallationen wird größtmögliche Hygiene und Komfort geboten. Allerdings finden sich zumindest auf einigen Urinalen auch verstörende Aufforderungen. Da liest man nicht etwa ‚ Einfach mal laufenlassen‘, sondern:




Studien haben gezeigt, dass die große Mehrheit der Nutzer dieser Aufforderung jedoch nicht nachkommt.