Donnerstag, 6. März 2014

Kein Job: Wegen Arbeitsrecht




Der  Arbeitswillige hat eine Absage geschossen  bei der Agentur, die inmitten der hippen Metropole in einer architektonisch oberhippen Location residiert. Schade, da wollte er doch dabei sein, weil ja  hippes Ambiente bekannter weise auch den Speichelfluss der Kreativität anregt.  Da martert man sich doch das Hirn, warum es diesmal nicht geklappt hat und fragt nach. Die Antwort - immerhin gibt es eine Antwort - liest sich dann so:

"Hallo Anton Strumpf
vielen Dank für deine E-Mail.
Wir haben für die Stelle viele Bewerbungen bekommen und müssen leider eine
Vorauswahl treffen. Leider können wir dabei nicht jede Bewerbung
berücksichtigen.
Aus arbeitsrechtlichen Gründen können wir dir keine genaueren Gründe nennen. (...)
Wir wünschen dir alles Gute und verbleiben
mit besten Grüßen"

Oh verdammt. Jetzt ist auch schon das Arbeitsrecht gegen eine bezahlte Beschäftigung. Oder hat der Arbeitswillige da etwas falsch verstanden. Nachfragen!

"Hallo Linda S.
das ist ja erschütternd. Was Du in Deiner Mail sagst ist: Die Gründe für die
Ablehnung lassen sich mit dem Arbeitsrecht nicht vereinbaren. Was mögen das
nur für Gründe sein? Vielleicht könnt Ihr noch einen klitzekleinen Grund
nennen, der gesetzeskonform ist. Ich bin sicher, der wird sich finden
lassen.
Ach ja, just heute fand ich die Position erneut in einer Jobbörse
annonciert.

Herzlichst
Dein Anton "


Donnerstag, 13. Februar 2014

(Nicht) Willkommen im Club!





Ach, es ist betrüblich miterleben zu müssen, wie eine Reihe von 1,2,3,oder mehreren kleinen, vielleicht verzeihlichen Fehlern, begangen von 1,2,3 oder mehreren Menschen in  herausgehobenen Positionen, in der Lage sind, Imperien in Schieflage zu bringen. Als aktuelles Beispiel mögen die Vorgänge in und um einen großen deutschen Automobilistenclub dienen. Bei eben jenem hatte sich der Arbeitswillige beworben, noch bevor die anrüchigen Vorgänge von der gnadenlosen Presse dem Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt wurden.  Nach langem Warten  fand sich der Club zu einer Antwort bereit.  Und die reißt beim Arbeitswilligen die Saite des Mitleids an. Frau M. schreibt

"Ihre Bewerbung als PR-Referent Schwerpunkt TV (m/w)

Sehr geehrter Herr Arbeitswilliger,

Sie haben sich auf unsere ausgeschriebene Stelle PR-Referent Schwerpunkt TV (m/w) beworben. Für das damit unserem Haus entgegengebrachten Interesse möchten wir Ihnen danken.

Bedingt durch die aktuellen Entwicklungen „rund um den A.“, die Sie mit Sicherheit auch in den verschiedenen Medien verfolgt haben, ist die Besetzung der o.g. Position zunächst zurückgestellt worden. Wir können Ihnen daher zum augenblicklichen Zeitpunkt leider keine verbindliche Auskunft über die „Chancen“ Ihrer Bewerbung geben.

Wir würden jedoch sehr gern, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, Ihre Bewerbung bei uns behalten und würden uns freuen, wenn wir zum gegebenen Zeitpunkt wieder auf Sie zukommen dürfen.

Sollten Sie allerdings Ihre Bewerbung nicht mehr aufrechterhalten wollen, bitten wir Sie, uns dies kurz mitzuteilen, so dass wir Sie dann ordnungsgemäß aus der Bewerberdatei löschen können.

Nochmals vielen herzlichen Dank für Ihre Bewerbung auf die o.g. Stelle.

Bitte bleiben Sie dem A. gewogen. Vielen Dank."

Man ist ja Mensch und als solcher  zu Empathie fähig. Der Arbeitswillige mailt zurück.

" Sehr geehrte Frau M.,
ich stehe nicht an, die Vorgänge und Entwicklungen, die Sie in Ihrer Mail erwähnen, zu kommentieren oder zu werten. Seien Sie aber versichert: Ich bin nicht der Mensch, der anderen Menschen oder Unternehmen in Not seine Solidarität oder Sympathie entzieht. So werde ich mich nicht ob der unglücklichen Umstände dazu hinreißen lassen, mein Angebot zur Mitarbeit zu annullieren.
Ich setze weiterhin auf einen glücklichen Fortgang der Dinge. Das nicht ohne Grund. So finde ich eine aktuelle Jobannonce Ihres Unternehmens. Gesucht wird ein Referent Online Medien. Und weiter erfahre ich in der Anzeige:

'Wenn Sie eine vielseitige und herausfordernde Aufgabe in einem zukunftsorientierten Unternehmen suchen, würden wir Sie gerne kennen lernen. Wir freuen uns auf Ihre aussagefähige Bewerbung - bevorzugt online - unter Angabe der Kennziffer 4-xxx, Ihres Gehaltswunsches und Ihrer Kündigungsfrist.'

An anderer Stelle ihres Unternehmens werden folglich noch Stellen besetzt, besinnt man sich auf Zukunft und Fortschritt. Das ist doch schön.
Mit besten Grüßen "


Dienstag, 28. Januar 2014

Internationales Marketing




Die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern. Es gab mal einen Schokoriegel, eine Süßigkeit  mit Namen "Raider". Irgendwann hat es den Marketinggöttern des Herstellerkonzerns Mars gefallen, den Namen von Raider in Twix zu ändern. Der dazu passende Slogan lautete: "Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix." Warum sah sich die Firma, die nach dem ollen Kriegsgott benannt ist, zum Handeln veranlasst? Vielleicht, weil viele "Raider"- Konsumenten mal im Wörterbuch auch die deutsche Übersetzung nachgeschlagen haben. Raider  bedeutet so viel wie Angreifer. Das tritt eine unschöne Assoziationslawine los. Denn fraglos greift das Produkt sowohl Zahnschmelz als auch die schlanke Linie an. Deshalb entschied man sich für den  unbeschwert pfiffigen Namen Twix.  Darin steckt das "twice" - also zweimal. Und tatsächlich finden sich in den handelsüblichen Packungen auch 2 Schokoriegel, die ehemals als Raider / Angreifer unterwegs waren.  Das erscheint sinnvoll.
Kürzlich stieß der Arbeitswillige auf eine weitere Markennamenänderung. Das Produkt, das ein Frischeerlebnis ganz besonderer Art, nämlich untenrum, verspricht, heißt nunmehr nicht mehr Hakle Feucht ( = feuchtes Toilettenpapier) sonder "Cottonelle" (= feuchtes Toilettenpapier) . Warum das? Dem muss man doch auf den Grund gehen und so schreibt der Arbeitswillige an die für die mit der Cottonelle PR beauftragte Agentur:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
 mit einigem Erstaunen habe ich die Namensänderung Ihres Produkts “Hakle Feucht “ zu “Cottonelle” registriert. Ich empfinde den neuen Produktnamen als eher fragwürdig.
Führt doch die Lautassoziation der ersten Silbe in Richtung “Kot”. Das hätte selbstverständlich auch einige Berechtigung, betont allerdings zu sehr die fäkale Dimension der Anwendung und nicht - wie mutmaßlich beabsichtigt - auf den beim Säubern der Analfalte gewünschten Erlebniszusammenhang: Cotton = Baumwolle.
Da dieses Produkt einen festen Platz in meinem Haushalt einnimmt, bitte ich um eine Erklärung.
 Mit freundlichen Grüßen "

Erfreulich wie professionell diese Anfrage beantwortet wird. Die Agentur schreibt zurück:

"vielen Dank für Ihre Mail.
Wie Sie bereits richtig vermuten, liegt dem neuen Markenname "Cottonelle" das wörtliche Spiel mit der englischen Vokabel "Cotton" zugrunde. Diverse internationale Marktforschungsergebnisse zeigen auch, dass der Großteil der befragten Menschen den Brückenschlag deutlich erkennen und so mit dem Produktnahmen eher Weichheit, Sanftheit und Wohlbefinden assoziieren. Zudem ist die Aussprache in allen Tests auch eindeutig gewesen und es kam nie zu einer anderen Verbindung als zu "Cotton". Es tut uns sehr leid, dass Sie persönlich andere Assoziationsketten bilden. Trotzdem würden wir uns freuen, wenn Sie weiterhin auch unserer neuen Marke treu bleiben würden.
Viele Grüße"

Zerknirscht muss der Arbeitswillige sehen, dass gegen "diverse internationale Marktforschungsergebnisse" nicht leicht zu argumentieren ist. Zugleich tritt deutlich hervor: Markenumbenennungen geschehen nicht von leichter Hand. Viele, viele kompetente Menschen haben darüber gegrübelt und geforscht. Nun also "Cottonelle".

PS: Wie dem Fachorgan Horizont (2.10.2013) zu entnehmen ist, scheint die Sache Raider/Twix noch nicht ganz ausgestanden zu sein. Man erfährt:
"Raider heißt jetzt Twix - sonst ändert sich nix": Bei der Generation Ü30 dürfte sich dieser Werbespruch tief ins Gedächtnis gebrannt haben, nachdem der Schokoladenhersteller Mars seinem beliebten Schoko-Keks-Riegel 1991 einen neuen Namen verpasst hatte. Nun lässt das Unternehmen die alten Zeiten wieder aufleben und bringt mehr als 10 Millionen Riegel als Retro-Edition von Raider auf den Markt."  

Falls das Schule macht, dürfen sich die Freunde /Freundinnen von Hakle Feucht eventuell auf eine Retro-Edition von Hakle Feucht freuen. Retro bedeutet allerding nicht, dass es sich hierbei um recycelte Cottonelles handeln wird.

Dienstag, 7. Januar 2014

Wildgänse rauschen durch den Imagefilm



Jedes Unternehmen, das auf sich hält, hat mindestens einen Imagefilm. So können Außenstehende, Jobinteressenten zumal, erfahren, wie das Unternehmen sich sieht oder gesehen werden möchte.
Diese Filme werden gerne ins Netz gestellt. Hier fand der Arbeitswillige auch Filme eines großen Logistikunternehmens, das einen Redakteur für Video und Online suchte.
Dieses Unternehmen führt sinnigerweise in seinem Logo gewissermaßen als Wappentiere - Wildgänse. "Wildgänse rauschen durch die Nacht."
Bei diesem Unternehmen steht das Geflügel nicht nur für Langstreckentauglichkeit, sondern transportiert und symbolisiert die Unternehmensphilosophie. Das wirft beim Arbeitswilligen Fragen auf, um deren Klärung er bittet:

"Sehr geehrte Frau R.,
um meine Bewerbung für die oben angeführte Stellung  möglichst passgenau formulieren zu können, habe ich  Informationen über Ihr Unternehmen gesammelt. Ich darf sagen, dass mich die Fakten  durchaus überzeugt haben.  Unter anderem stieß ich bei meiner Recherche auf verschiedene (Image)Filme. (Z.B. www.youtube.com/watch?v=pucDjOAvO18). Sehr eindrucksvolle Bilder, aufwändig produziert. Dennoch stellen sich bei der Betrachtung einige Fragen, um deren Beantwortung ich Sie oder andere Verantwortliche bitte.
Ich erfahre im Text:" ... Ziel ist es, den Erfolg der Kunden zu verbessern. Unser Vorbild ist dabei immer die Wildgans." Wie ist das zu verstehen? Mir ist kein Beispiel geläufig, in dem Wildgänse wesentlich zum Erfolg eines Kunden beigetragen hätten. Eher im Gegenteil. So stellen Wildgänse ein nicht unwesentliches Problem für Airlines bzw. Airports dar. Stichwort Vogelschlag. Gerade in jüngster Zeit werden Stimmen lauter, die Wildgänse für eine Landplage halten. Insbesondere in der Landwirtschaft verursachen sie Schäden in Millionenhöhe. Zudem sind sie an Badeseen nicht gern gesehen, da eine einzelne Gans pro Tag etwa 2 Kilo Kot produziert.
Weiter erfahre ich im Off-Text: "Ihre  Dynamik (also die der Wildgans) haben wir in die klassischen Speditionsleistungen umgesetzt."  Diese Analogie verstehe ich nicht. Mit Ausnahme von Nils Holgersson und ähnlich gelagerten Erzählungen ist die Wildgans nicht als Transporteur von Mensch oder Gütern beschrieben.
"Die Intelligenz der Wildgans ist unser Ansporn für individuelle Warehouse-Lösungen", lerne ich weiterhin. Ich habe nirgendwo gefunden, dass Wildgänse Lagerstätten zur weiteren Distribution anlegen. Folglich richten die Tiere ihre Intelligenz - wobei diskutiert werden kann, ob bei Gänsen mit Fug und Recht von Intelligenz gesprochen werden kann. Im Volksmund eher verbreitet ist die Konnotation 'Dumme Gans' - ihre Intelligenz nicht in erster Linie auf dieses Thema.
"Die Zuverlässigkeit der Wildgans ist unser Leitbild", informiert der Filmtext. Sicher,  im alten Rom haben die berühmten kapitolinischen Gänse seinerzeit eine Katastrophe verhindert, indem sie Alarm schlugen. Das waren meines Wissens nach aber keine Wild- sondern domestizierte Gänse. In welcher Hinsicht sind Wildgänse also beispielhaft zuverlässig?
" Ihre Anpassungsfähigkeit zeigt sich in unseren Spezialdiensten."  Die Wildgans ist überaus anpassungsfähig.  Viele der Tiere verlassen kaum noch ihre Siedlungsräume, haben den Zug aufgegeben. Das - so vermuten einige Vogelkundler - sei auch dem Klimawandel geschuldet.
Aber ist diese Art 'Standorttreue' das, was das Geschäftsmodell eines Logistikunternehmens auszeichnet?
Und dann sehe und höre ich das Thema "nächste Generation" synchron zu Bildern, die kaum bekleidete Ureinwohner zeigen. Ist das Überleben ursprünglicher Ethnien ein besonderes Anliegen des Unternehmens? Das wäre aller Ehren wert. Aber über ein derartiges Engagement erfahre ich an anderer Stelle nichts.
In dem Werbefilm H.Azubi (https://www.youtube.com/watch?v=a0M2VcqKbEM) ,rekurriert der Moderator auf das System des Wildgänseformationsflugs und sagt in Hinblick auf Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten: "(... ein System), das Talente fördert und Sie bis an die Spitze einer Formation bringt." Nun ist es bei den Gänsen aber so, dass, falls die Führungsgans erschöpft ist, diese sich in der Formation zurückfallen lässt und eine andere Gans die Führungsrolle übernimmt. Bedeutet das - übertragen auf das Unternehmen - , Sie haben eine Art rollierende Führungsstruktur?

Ich hoffe, Sie haben Gelegenheit, meine Fragen zeitnah zu beantworten, damit ich meinerseits eine zielgerichtete Bewerbung auf den Weg bringen kann."

Bislang keine Antwort. Der Arbeitswillige bleibt dran und innformiert zu gegebener Zeit die geneigte Leserschaft.