Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Aufgaben eines Redakteurs

Der Arbeitswillige stößt auf die Anzeige Zeitarbeitsfirma "Job Dingsbums". Dort wird ein Redakteur gesucht. Anspruchsvoll sei die Tätigkeit bei einem regionalen Telekommunikationsunternehmen, informiert die Annonce.
Kurze Recherchen ergaben, bei dem Unternehmen handelt es sich um die Telekom.
Prima, dachte sich der Arbeitswillige. Zeitarbeit hin oder her…. Das ist eben der Lauf der Zeit.
Zunächst schickt er die Bewerbung.

Zwei Tage darauf noch einen Nachtrag:

„Sehr geehrte Frau G.
ich möchte Ihnen meine Hilfe anbieten. Gegen ein angemessenes Honorar bin ich bereit, Ihre Annoncen auf Konsistenz und Rechtschreibung zu prüfen.
Denn bei der Anzeige für die o.a. Position fielen mir diverse Fehler ins Auge, die nicht ohne Weiteres als Flüchtigkeitsfehler durchgehen.
1) Gesetzt bei Ihrem Kunden handelt es sich um die Telekom, versteht sich das Unternehmen nicht als "Global Player"?
2) ... Redakteur, die mit ihren Ideen ...
3) Ansprechpartner des (...) Informationsmanagement (!)

Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.“


Die Zeit vergeht. Der Arbeitswillige hakt nach und bekommt folgende Antwort

„Sehr geehrter Herr ,
Ihre Bewerbung haben wir dankend erhalten.
Leider hat Ihre zweite E-Mail eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch ausgeschlossen.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen“

Was ist da zu tun? Das verlangt nach einer Erklärung. Und so retourniert der Arbeitswillige:

„Sehr geehrte Frau G.,
es tut mir sehr leid, dass meine Mail Sie verärgert hat. Ich hatte nach einiger Überlegung den Text, der von Ihnen geschalteten Anzeige, eher als eine Art "Eingangstest" aufgefasst. Denn es gehört zum Tätigkeitsbereich eines Redakteurs, offensichtliche Fehler zu identifizieren und zu beheben. So - meine Überlegung - sind die Fehler in dem Anzeigentext mit der Absicht hinein redigiert worden, mögliche Kandidaten zu einer Reaktion zu bewegen und auf diesem Wege zugleich einen ersten Eindruck von der Qualifikation des Bewerbers zu erhalten.
Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Ich bitte um Entschuldigung.
Mit freundlichen Grüßen
“

Tja, wieder nichts.

Samstag, 12. Februar 2011

Weniger ist mehr bei der Berufsbekleidung

Weniger ist mehr bei der Berufsbekleidung.

Für die Tätigkeit als Türsteher soll der Arbeitswillige folgende Qualitäten mitbringen.

„…sehr gute Kommunikationsfähigkeiten in Wort und Schrift in Deutsch zur Aufnahme von Protokollen sowie ein einwandfreies aktuelles Führungszeugnis. Berufserfahrung ist von Vorteil. Erwartet wird ein äußerst gepflegtes, stattliches Erscheinungsbild sowie sehr höfliches Auftreten. Von Vorteil ist ein Führerschein Kl. B eventuell mit Fahrzeug. Da diese Tätigkeit in ziviler Businesskleidung nur mit vom Unternehmen gestelltem Hemd und Krawatte ausgeübt wird, wäre ein Anzug von Vorteil. Die Bewerbung von Frauen ist auch sehr erwünscht.“

Na super, denkt sich der Arbeitswillige. Unter ziviler Businesskleidung versteht sich eigentlich mehr als nur Hemd und Krawatte. Man steht folglich halbnackt herum. Hemd und Krawatte werden gestellt. Für mehr ist wahrscheinlich kein Geld da. Ein Anflug von Bedauern liest sich so auch in dem Konjunktiv: ein Anzug wäre von Vorteil. Sicher, ein guter Anzug ist häufig von Vorteil, aber wenn dafür nun mal kein Geld da ist, oder der Kunde darauf besteht, dass die Türsteher nur in Hemd und Krawatte stehen.
Da heißt es – Beine rasieren und durch.

Sonntag, 11. April 2010

Guter Rat ist daneben…..

Der Arbeitswillige lässt sich gern beraten, wenn es darum geht, den richtigen Weg in das Herz des künftigen Arbeitgebers zu finden. Schön, dass auch vielgelesene Magazine wie der „Stern“ Bewerbern mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Unten stehende URL ist hier wirklich die erste Adresse:

http://www.stern.de/tv/sterntv/ratgeber-die-richtige-bewerbung-1551624.html


Ratgeber: Die richtige Bewerbung
Für eine erfolgreiche Bewerbung sollte man einiges beachten. stern TV hat einige Tipps und hilfreiche Links zusammengestellt.
Vollständig, übersichtlich, ordentlich, fehlerfrei
Für jede Bewerbung gilt zunächst: Die Unterlagen müssen vollständig sein. Zu einer Bewerbung gehören immer Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse. Je nach Job und Berufserfahrung müssen eventuell auch Arbeitsproben beigelegt werden. Alle Unterlagen gehören in eine Bewerbungsmappe - eine lose Blattsammlung wird sich kein Personaler ansehen.

Bewerber sollten darauf achten, dass die Papiere nicht verknickt sind oder sogar „Pflecken“ darauf sind.

Um eine fehlerfreie Bewerbung abzugeben, sollten Sie Ihr Anschreiben und den Lebenslauf Korrektur lesen lassen.
Der Arbeitswillige sieht ein: Insbesondere Pfettpflecken sind zu vermeiden. Wie? Na klar – pforher Foten waschen.

Samstag, 9. Januar 2010

Im Frühtau zur Arbeit Fallera

Im Frühtau zur Arbeit … Fallera
Der Arbeitswillige hat den Eindruck, dass die Arbeitgeber immer gewiefter werden, wenn es darum geht, Missverständnisse von vornherein auszuschließen und somit die Flut der potenziellen Bewerber einzudämmen.
So fand er in einer Jobannonce für die Position eines Referenten in der Unternehmenskommunikation einer Münchner Firma folgende Information:
"Arbeitsbeginn 7Uhr30."
Diese Information stand an letzter Stelle hinter anderen und ist vielleicht ungünstig platziert - im Verhältnis zu ihrer Wichtigkeit.
An dieser Stelle gilt einmal mehr der Rat des Arbeitswilligen: Anzeigentexte genauestens studieren. In diesem Falle liefe man sonst leicht in den Hinterhalt.

Andererseits fragt sich der Arbeitswillige, welche bedrückenden und womöglich häufigen Erlebnisse mit Bewerbern den Arbeitgeber bewogen hat, gerade dieses Detail zu erwähnen.

Vielleicht so?

AG: Prima, Sie sind unser Kandidat. Ich hoffe, Sie sind mit einem Einstiegsgehalt von 5000€ einverstanden. Ja? Fein. Habe ich übrigens erwähnt… Arbeitsbeginn ist um 7Uhr30.

An dieser Stelle erheben sich dann die Bewerber und geben mit großem Bedauern in Gestik und Tonfall kund, dass sie unter diesen Umständen doch lieber Abstand nähmen von der Anstellung. Worte fallen dann in etwa wie folgt:

- 7Uhr 3O. Da ist es ja noch dunkel. Da dreh ich mich im Bett noch mal um.
- Ich gehe um 8Uhr regelmäßig mit dem Hund, das ist er so gewöhnt. Sie werden verstehen.
- Mein Pilateskurs ist zweimal die Woche um 8Uhr30. Da schaffe ich 7Uhr30 nicht.
- Also, ich nehme die Regionalbahn bis Nordbahnhof. Wenn die pünktlich ist, erwische ich die Linie 8, muss dann in Linie 12 umsteigen am Goetheplatz. Meist ist die aber dann schon weg. Und dann noch 5 Minuten Fußweg. Also, frühesten 8Uhr 15 kann ich hier sein. Mit ganz viel Glück. Sorry, das wird nichts.

Man muss wohl Verständnis haben für Arbeitgeber, die dergleichen nicht hören mögen.

Der Arbeitswillige fragt sich aber, was geschieht, wenn aufgrund organisatorischen Wandels der Arbeitsbeginn verschoben werden muss. Sagen wir auf 7Uhr oder 8Uhr30.
Wird dann die Stelle neu ausgeschrieben und der bisherige Stelleninhaber, der ja die Stelle unter der Prämisse „Arbeitsbeginn 7Uhr30“ angetreten hat, wieder entlassen?

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Bescheiden in Südwestfalen

Großes Glück liegt in der Bescheidenheit

Dieser Tage freut sich der Arbeitswillige über jedwede Art von Resonanz. So auch über diese:

"Sehr geehrter Herr Strumpf,
Sie haben sich bei Z. Marketing, Design & Service beworben
.“

Das ist soweit richtig. Weiter darf der Arbeitswillige lesen:

„Für Ihr Vertrauen in einer der größten Kommunikationsagenturen in Südwestfalen bedanken wir uns.“

Aha, mein Vertrauen ist schon mal da. Das besagt das „ Ihr Vertrauen in einer der größten Kommunikationsagenturen…“ Das Vertrauen des Arbeitswilligen ist bereits in der Kommunikationsagentur so wie man in einer Kneipe steht. Geht das? Hat man nicht gemeinhin Vertrauen in eine Kneipe (pardon:Kommunikationsagentur) und geht dann erst hinein?

Sympathisch ist hier vor allem, dass sich Z. Marketing nicht brüstet, die Größte aller Kommunikationsagenturen zu sein. Man will oder kann sich nicht festlegen. Und sei es auch nur im Vergleich mit anderen Kommunikationsagenturen in der doch relativ überschaubaren Region Südwestfalen. Erweiterte man das Betrachtungsgebiet um – sagen wir – Westwestfalen, welche Position könnte Z. Marketing einnehmen?
Aber immer noch besser einer der Branchengrößen in Südwestfalen sein, als einer unter Vielen in der Region Süd- und Westwestfalen.

Leider nutzte das am Ort der Entscheidung sich bereits aufhaltende Vertrauen rein gar nichts.

„Leider konnten wir Ihre Bewerbung im Aktuellen Bewerbungsverfahren (Aha, ein Eigenname und deshalb großes A.) nicht berücksichtigen.“

Offenbar hat sich das Vertrauen des Arbeitswilligen innerhalb der Kommunikationsagentur dermaßen blöde angestellt, dass man seitens der mit größten Kommunikationsagentur Südwestfalens keine Veranlassung sah, den Inhaber des Vertrauens persönlich kennen zu lernen. Und falls das so sein sollte, dann müsste der Arbeitswillige mal ein ernsthaftes Wort mit seinem Vertrauen reden.

Mag aber auch sein, der Unterzeichnende, immerhin ausgewiesen als Advisor Event&Promotion, hat sich schlicht im Fall vergriffen. Aber ist das denkbar in einer der größten Kommunikationsagenturen Südwestfalens?







Donnerstag, 27. August 2009

Prima Prosa für Arbeitswillige IV

Prima Prosa für Arbeitswillige IV

Sämtliche in der Materie firme Personen und die einschlägige Literatur empfehlen den Arbeitswilligen, sie mögen sich mit dem Unternehmen ihrer Begierde ausführlich befassen und zudem den Fingerzeigen in den Annoncentexten nachspüren.
Was hört man aus dem Reiche Bertelsmann?
Den zur Familie gehörenden TV-Sendern wie RTL, VOX etc. geht es nicht unbedingt Gold. Sparen sei das Gebot der Stunde, und das funktioniere am besten bei den Aufwendungen für das Programm, sagt jemand, der es wissen muss.
Und Bertelsmann sucht für die neu geschaffene Einheit „infoNetwork“ Redaktion „Magazin Spezial“ Redakteure (w/m). Diese Redaktion will die einzelnen Sendungen der Familie mit feinen und passenden Beiträgen versorgen.
Neben den branchenüblichen Anforderungen sticht eine heraus:
Redakteure (w/m) müssen Promi-Affinität mitbringen.
Hier ist nicht der Ort, die Trennlinie zu diskutieren zwischen mehr oder weniger zufällig ins Interesse der Öffentlichkeit gezerrten Tölpeln und Menschen, die das Attribut „prominent“ einigermaßen verdienen. RTL und Co. definieren diese feinen Grenzen nach Bedarf und pragmatisch.
Was aber bedeutet „Affinität“. Der Duden definiert das so: Affinität (nicht chemisch) ist die Wesensverwandtschaft, die Ähnlichkeit und die dadurch bedingte Anziehung.
Der oftmals weise Volksmund würde es schlicht auf den Nenner bringen: Gleich und Gleich gesellt sich gern.
Die Redakteure (w/m), so der Plan, nähern sich ihrem Promi-Sujet auf Augenhöhe, als Promi zu Promi gewissermaßen. Das ist klug und aller Ehren wert; vermeidet diese Grundvoraussetzung Reibungsverluste, da die Redakteure (w/m) – weil ja wesensverwandt – nur in sich hinein horchen müssen, um der oft komplizierten Charakterstruktur eines Prominenten auf die Schliche zu kommen und so deren Wollen und Tun einer interessierten Öffentlichkeit dann einfühlsam zu vermitteln.
Damit nicht genug. Hinter der Affinität verbirgt sich auch ein Königsweg zum Sparen.
Musste man früher die Prominenz dort aufsuchen, wo sie sich tummelte, genügt es in der neu geschaffenen Redaktion „Magazin Spezial“ künftig die Redakteure (w/m) wechselseitig vor die Kamera zu bringen. Denn sie haben ja Wesensverwandtschaft und Ähnlichkeit.
Ein großartiger Spar-Coup. Reise-und Produktionskosten lassen sich herunterfahren. Toll.
Stellt sich die Frage, ob Bertelsmann in dem Redaktionsgebäude auch für eine ausreichende Anzahl an Besenkammern gesorgt hat. Deren Problem.


Donnerstag, 30. Juli 2009

Prima Prosa für Arbeitswillige III

Prima Prosa für Arbeitswillige III

Die Firma fischera. TV sucht einen leitenden Redakteur. Das Anforderungsprofil:

-Text- und Schreibsicherheit.

Schreiben können ist das eine, ob daraus auch ein Text wird, ist nicht immer gewiss.
Klar, da muss sich ein Unternehmen absichern. Weiter:

-Idealerweise Sprech- und Moderationserfahrung.

Der Arbeitswillige erfährt: Sprechen allein genügt nicht. Man möge auch Erfahrung in diesem Bereich mitbringen. Nur, ab wie vielen Jahren aktiven Sprechens, hat man den Stand des Erfahrenseins erreicht? Und ab wann wird das dann ideal.
Doch das sind Kleinigkeiten, die sich im Laufe eines ungezwungenen Gesprächs sicherlich klären lassen.
Heikler ist da schon diese Anforderung:

-Mehrjährige Erfahrung als CvD/abnehmender TV-Redakteur

Abnehmender TV-Redakteur mit Erfahrung. Also Erfahrung im Abnehmen? Impliziert das, man soll auch Erfolge beim Abnehmen vorweisen können? Geht das in Richtung Diätberatung, erfahren getextet und sicher gesprochen? Gilt es, unterschiedliche Diäterfahrungen zu moderieren? Oder verbirgt sich dahinter ganz einfach die Ablehnung dicklicher Menschen?

Wer nicht schreibt bleibt dumm. Also:

Jobangebot: Leitender Redakteur

Sehr geehrter Herr V.,

bis auf eine erfülle ich die Anforderungen für die ausgeschriebene Position in hervorragender Weise. Allerdings wünschen Sie sich „mehrjährige Erfahrung als abnehmender TV-Redakteur.“
Ich darf feststellen, dass ich mein Gewicht seit geraumer Zeit relativ konstant halte. Ich sehe auch nicht den zwingenden Anlass für eine Gewichtsreduktion.
Ich darf davon ausgehen, dass die Position als leitender Redakteur auf Dauer angelegt ist. Somit unterliegt der oder die Redakteur(in) in dieser Zeit dem festgeschriebenen Zwang abzunehmen. Wohin wird das führen? Krankheit und Siechtum sind programmiert.

Von Julius Cäsar, dem seinerzeit recht erfolgreichen Römer, wird folgender Ausruf kolportiert:
„Lasst dicke Männer um mich sein!“ Es ist nicht davon auszugehen, dass der Cäsar Gefallen an stark adipösen Gestalten hatte. Ich lese den Satz so, dass er die Gegenwart von Menschen bevorzugte, die sich vom Diktat des ständigen Abnehmens und der damit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Unrast und Übellaunigkeit emanzipiert haben.

Ich denke, Sie werden mir zustimmen: Diese Gemütshaltung ist auch unserer Branche bisweilen zuträglich.

Falls Sie also einen Mitarbeiter suchen, der sich Effizienz und Kreativität bei größtmöglicher Gelassenheit verpflichtet fühlt, freue ich mich über ein Feedback.
Um noch einmal auf das Thema Abnehmen zu kommen. Schauen Sie sich mich doch auf meiner Seite an. Falls Sie zu dem Schluss kämen, ich müsse dringlich abnehmen, (eventuell wegen der sensiblen Statik der fischera. Arbeitsstätte) lassen Sie es mich wissen.

Mit besten Grüßen
Anton Strumpf


Bis dato gab es eine freundliche Eingangsbestätigung, mit der Bitte um Geduld, weil man ja prüfen müsse.

Wir bleiben dran.