Montag, 7. Februar 2022

Zurück in die Zukunft. Nostalgie Marketing.

 


 


Ein Gewährsmann aus Berlin informierte den Verfasser dieser Zeilen, dass von der weit verbreiteten Handelskette mit vier Großbuchstaben in der Rubrik ‚ Aus der Region‘  das oben abgebildete Suppenprodukt beworben wird. Was sofort ins Auge fällt ist das Kürzel NVA. Für die jüngeren und in der BRD sozialisierten Leser: NVA steht offenbar für Nationale VolksArmee. Diese war überwiegend auf dem Gebiet der DDR tätig. Sie wurde im Oktober 1990 aufgelöst. Ein weiteres Indiz, dass es sich tatsächlich um einen nostalgischen Armeebezug handelt,  findet sich in der naturalistischen Abbildung einer sogenannten ‚Gulaschkanone‘ und nicht zuletzt in dem Namen „Feld-Suppe“. Diese Suppe hat ihren Ursprung folglich in mobilen Feldküchen, wurde bei Manövern oder in Gefechtspausen – also im Felde - genossen. Nun ist die Anbindung des Suppenprodukts an die historische Armee nicht unproblematisch. War doch die NVA in der Bundesrepublik (alt) kein positiv besetzter Begriff. Ob er das auf dem Gebiet der ehemaligen DDR war und ist, darf bezweifelt werden. Was also wird der Konsument erwarten dürfen? Eine geschmackliche Referenz an Lederstiefel und verschwitzte Unterwäsche, einen Hauch von Pulverdampf und Waffenöl. Das ist auf die Schnelle nicht zu klären. Der Gewährsmann versuchte eine Dose bei der Handelskette, die den Prospekt in Umlauf gebracht hatte, zu erwerben um im schonungslosen Selbstversuch die Fragen zu klären. Ohne Erfolg.

Es hieß: Das Produkt sei vergriffen. Man könne auch nicht sagen, wann es wieder geliefert wird. An dieser Stelle wird Nostalgie zur aktuellen Realität.                                                                                                                                                                                                                   

Donnerstag, 6. Januar 2022

Buridans Esel – Über das Treffen von Entscheidungen

 

‚Buridans Esel‘ ein Gedankenspiel aus dem Mittelalter: Der Esel steht zwischen zwei identischen Heuhaufen und verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er auswählen soll. (Weitere  Details kennt Google) Das arme Tier. Wie könnte es vor dem Hungertod bewahrt werden? Möglichkeit A. Chuck Norris erschlägt den Esel mit seinem berühmten Kick. Dabei nähme Norris einen Gedanken von Josef Stalin auf. Dem wird der Satz zugeschrieben: ‚Kein Mensch (in unserem Fall Esel), kein Problem.‘ Möglichkeit B: Man entferne einen Heuhaufen und somit die Wahlmöglichkeit. Beide Lösungen sind unbefriedigend. Letztlich gerät der Esel in die missliche Situation durch fehlende Information. Er sollte wissen: Zwei Heuhaufen können nicht identisch sein. Der eine enthält möglicherweise ein vierblättriges Kleeblatt oder das ein oder andere Kräutlein, das der andere nicht hat.  Der eine wurde 2 Stunden früher geschnitten. Der andere ist folglich etwas frischer… etc.. Allein, der Esel weiß es nicht, kann es nicht wissen. Wir sehen, Informationen sind essentiell bei der Entscheidungshilfe. Was aber tun bei einem Überangebot von Informationen? Von Kriterien, die einer sensiblen und genauen Prüfung bedürfen. Sei es bei Kauf- oder Investitionsentscheidungen, bei der Wahl zwischen Jobangeboten und vielem mehr. Pragmatisch wäre, der Esel sagte sich: Da ich keine allumfassende Bewertung treffen kann, auch nicht die Möglichkeit habe, kompetente über jedweden Zweifel erhabene Berater, die nicht ihre eigene Agenda verfolgen,  um Rat  zu fragen, verfahre ich so: Ich nehme mir zunächst den einen Haufen vor. Dann habe ich in Gestalt des zweiten Haufens Futter für weitere Tage. Problem gelöst.  Aber bringen Sie das mal einem Esel bei.

 

 


Mittwoch, 24. November 2021

Jobannoncen richtig lesen. Heute: Der Bürohund

 


"Du denkst 360° und liebst Brainstormings? Und du hast Lust auf eine kreative, international agierende Agentur mit Bürohund?"

So lesen sich die ersten Sätze der Jobannonce einer Agentur. Wichtiges immer an den Anfang. So ist es Brauch.  Folglich ist der Bürohund bedeutungsvoll, weil an prominenter Stelle erwähnt. Man könnte diese Information als fürsorgliche Warnung für Allergiker oder Phobiker nehmen. Hmm? Da scheint aber mehr dahinter zu stecken. Vielleicht eine negative Konnotation wie bei Büromensch oder Bürohengst. Wohl eher nicht. Aber welche Funktion hat ein Bürohund im Agenturumfeld? Was für ein Leben führt er? Darf er etwa in der Grünanlage defäkieren, mit  Artgenossen herumtollen, seine Botschaften an Bäumen hinterlassen? Oder ist er auf seine Funktion als Stimmungsaufheller reduziert, indem er Mitarbeiter und Kunden fröhlich und gelassen begrüßt, nach einem verbockten Pitch seinen Kopf auf den Schenkel des oder der Gescheiterten legt und durch sprechende, tröstende Blicke kommuniziert: Es gibt nichts, was sich durch ein Leckerli nicht wieder einrenken ließe. Möglicherweise kann er auch gute oder schlechte Eigenschaften und Qualifikationen neuer Jobkandidat:innen erschnüffeln und seine Erkenntnisse  durch sein Verhalten kundtun. Das wäre eine neue und unbestechliche Methode beim Recruiting. Wie auch immer. Es gilt, sich mit so einem Bürohund gut zu stellen. An ihm kommt so leicht niemand vorbei. (siehe Cerberus).

Der Verfasser dieser Zeilen bat die Agentur um ein Foto des Hundes. Schließlich möchte man wissen, mit wem man es zu tun hat.

(Motivbild: Ausschnitt des Gemäldes ‚Tom waits II‘ mit freundlicher Erlaubnis von Claire Mesnil)