Die
Bundesladenverschwörung
Die Leiche liegt in einem weitläufigen, gepflegten Garten
am Rande von Wiesbaden. Villengrundstück. Früher Morgen im Frühsommer.
Absperrband. Spusi bei der Arbeit. K und Assistentin (A) durch das von einem
Uniformierten hochgehaltenen Absperrband.
K zu Pathologen: Was haben wir, Günter? P: Männliche
Leiche. Etwa 50 Jahre alt. K: Todesursache? P: Genaues kann ich noch nicht
sagen. Muss ihn erst mal auf dem Tisch haben. Aber hier. Einzelner Stich mit
einem spitzen Gegenstand ins Herz. K. Das waren Profis? P. Das müsst ihr
herausfinden.
K: Wer hat ihn gefunden? P: Der Gärtner. Ist jetzt mit
Schock im Krankenhaus. P: Etwas ist
sonderbar – der oder die Täter haben ihm die Zunge herausgeschnitten. K: Vor
oder nach seinem Tod? P: Da muss ich ihn erst auf dem Tisch haben. Der Mann war
hier sehr bekannt. Markus Hübbel. Der war Partner in einer großen
Rechtsanwaltsfirma und außerdem Vizevorsitzender des auswärtigen Ausschusses im
Bundestag.
Jetzt stürzt herbei eine Frau mittleren Alters im
Designerkostüm. Sie ist die Ehefrau des Opfers, Gesine Hübbel-Markwort. In
Fachkreisen anerkannte Virologin aber medienscheu.
Frau: Lassen sie mich durch. A: Sie können da nicht hin.
Das ist ein Tatort.
Erschütternde Szenen. Frau kurz vor dem Zusammenbruch.
Szenenwechsel Wohnzimmer der Villa. Frau jetzt gefasster.
K: Hatte Ihr Mann irgendwelche Feinde? F: Außer seinen
Parteifreunden - nicht das ich wüsste.
K: Ist Ihnen in letzter Zeit etwas aufgefallen? War er
anders als sonst? F: Eigentlich nicht.
Nur hat er seit Wochen nur geredet von der Bundeslade und den Weisen von
Zion. (Aha. Der K. blickt konzentriert. A. macht sich Notizen.) K: Fehlt irgendwas /Irgendwas gestohlen? F.
Der Hund ist weg. K: Was für ein Hund? F: Ein King-Charles Spaniel. ( Merke:
unsinnig Details sind wichtig. Natürlich kommt das Foto eines derartigen Tieres
auf die Tafel mit einem Pfeil zum Mordopfer. Ist da die Erklärung für das
Nichtvorhandenseins der Zunge? Die Frage steht nun mal im Raum).
Szenenwechsel: Konferenzraum. K. mit seiner Vorgesetzten.
Vertreter von Staatschutz, MAD, Bundesanwaltschaft und Auslandsgeheimdienst.
Kompetenzgerangel. Fazit: Der Bundesanwalt übernimmt die Leitung der Ermittlungen.
Nein, die Unterlagen, die Hübbel in seiner Tätigkeit als BuTa-Mitglied
bearbeitet hat, bleiben unter Verschluss. K. frustriert.
Szenenwechsel - folgen diverse Locations im BuTa-Umfeld.
Befragung von Ausschuss/-Fraktions Kolleg*innen. Die Einvernahme des suspekten
persönlichen Referenten bringt auch nicht viel. Nur, dass der kurz vor dem
Rauswurf stand. Ansonsten Mauer des Schweigens, Ausflüchte, Bedauern,
SchrecklichSchrecklich-Floskeln.
Location Polizeipräsidium. K. steht vor der Tafel und
heftet das Foto des Referenten an selbige. In Ermangelung eines Fotos der
Bundeslade hat der K. das Foto eines Biedermeiermöbels angeheftet. Was es mit
der Bundeslade und den Weisen von Zion auf sich hat, das kann unter Umständen
Frau Hübbel-Markwort in der
dramaturgischen Funktion des Erklärbärs beim Gespräch mit dem K. beisteuern. Schließlich
ist sie Wissenschaftlerin und weiß sich zu artizikulieren.
Assistentin vor Tafel flachst (Humor und schlendriger
Ausdruck kommen gut an beim Zuschauer): Weisen von Zion / zaristischer
Geheimdienst. Der Russe hätte Bundeslade wohl wie Buntes Lada ausgesprochen
(hihi). K weist sie zurecht: Das ist
nicht zielführend. Dennoch pinnt er das Foto eines Lada Niva an die Wand.
Allerdings ohne Verbindungsstrich (noch nicht).
Herein kommt der obligatorische Computernerd. C: Ich hab‘
was für euch. War nicht einfach. Viel Bla Bla und dann das hier. K. bekommt
einen Anruf auf seinem Smartphone sagt aber: Passt gerade nicht. Rufe zurück.
(tut er natürlich nicht.)
Computernerd weist auf seinen Laptop. Dort sieht man eine
Folge von merkwürdigen Zeichen. K. vermutet richtig - kyrillisch. K: Kann hier jemand kyrillische Schrift?
Die Putzfrau kann und übersetzt: VakziProm. (Ein
mächtiges russisches Pharma- und Energieunternehmen, mit besten Kontakten zu
Putin und Schröder, produziert unter anderem auch Covid-Impfe.)
K. bekommt noch einen Anruf. Ben Stolzius. Freier
Journalist und aktives Mitglied in der als liberal geltenden jüdischen Gemeinde
in Wiesbaden. Er schlägt dem K. einen Deal vor. Er habe wichtige Infos zum
Mordfall. Treffen in einer Shisha-Bar (Wichtig um eine falsche Fährte in
Richtung Clankriminalität zu legen. Jedenfalls für die Zuschauer). Stolzius verlangt Exklusivität der
Geschichte. K. will das nicht und verweist auf den Dienstweg und
Pressekonferenzen. Stolzius ab. Mit seinem Auto.
K. wieder sinnierend vor der Bildertafel. Sein Blick
bleibt beim Lada hängen. Es fällt ihm ein: Stolzius fährt ein ebensolches
Vehikel, dass er mit Hippie-Psychodelik sehr bunt gestaltet hat. Er murmelt.
Buntes Lada, Buntes Lada. (Hier kann man eine Rückblende einführen, weil der
Zuschauer die flapsige Einlassung der Assistentin eventuell vergessen hat.) Dem
K. wird schlagartig klar: Stolzius ist in Lebensgefahr.
Geschwind aus dem Büro. Blaulichtfahrt,
Drohnenperspektive. Quietschende Bremsen vor dem Haus des Stolzius. Kein
Parkplatzproblem. K. in den 2.Stock Tür ist offen. Stolzius liegt im eigenen
Blute offenbar wieder mit einem einzigen Stich ins Herz zu Tode gebracht. Neben seinem Kopf liegt seine abgeschnittene
Zunge. Aus der Mimik des K. ist für
jedermann zu lesen, dass er eine Verbindung zum Hübbel Mord sieht. Er stutzt
bei der im inneren Monolog (Vorsicht. Innere Monologe sind anspruchsvoll)
gestellten Frage, warum der oder die
Täter bei Hübbel die Zunge offenbar mitgenommen haben. Er schaut sich in der
Wohnung um, entdeckt er alsbald im Spülkasten des Klos die Kamera des
Journalisten. Die Bilder der Digitalkamera zeigen äußerst verschwommen Hübbel
und zwei Riesenkerle mit Lederjacken und Basecaps und Hoodies. Untauglich für
eine weitergehende Identifizierung. Am Kühlschrank mit einem Magneten befestigt
findet er einen Zettel mit S. Handschrift. ‚ M 218 €. Er nimmt ihn mit für die Tafel.
Wieder im Büro steht er sinnend vor derselben: Die
Erleuchtung 218 € - exakt die Summe, die
es braucht, um eine Person im Billigflug von F.a.M. nach Moskau zu bringen.
Folgt Blaulichtfahrt mit Drohnenperspektive zum
Flughafen. Unterwegs versucht er noch die, die einschlägigen Behörden zu
erreichen. Scheiße, Akku leer.
Am Flughafen angekommen quietscht er vor dem
Abflugterminal zum Stand. Kurze Diskussion mit dem ‚Sie können hier nicht
parken‘. Dann ab in den Flughafen. Das übliche Kompetenzgerangel zwischen
Verwaltung und Bundespolizei. Dann muss
der K. erfahren, ein entsprechender Flug
nach Moskau habe bereits vor 3 Stunden abgehoben.
Doof: Die Morde werden wohl nicht gesühnt. Wahrscheinlich
waren Auftragskiller unterwegs und werden vom Kreml gedeckt. Die Verwicklungen
Hübbels in das Impfmittelgeschäft von VakziProm wird u.a. ein parlamentarischer
U-Ausschuss übernehmen. Ohne Ergebnis natürlich. ( Erklärbären hier. Ks.
Vorgesetze und ein bedauernswert engagierter Vertreter der Bundesanwaltschaft.)
Schlussszene: K. blickt versonnen einem startenden Airbus
( Merke: Unsinnige Details schaffen Authentizität) hinterher.
Sollte die Handlung nicht die Sendezeit füllen, trotz
länglicher Blaulichtfahrten - dann noch ein Schwenk in die Privatsphäre des
Ermittlers. Wahlweise ist er geschieden, hat einen nervigen Teenager aber eine
für seine Einkommensverhältnisse überraschend große, gut ausgestattete Wohnung,
ein Drogen- oder Alkoholproblem. Traumata. Oder alles zusammen.